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Meine Bildergalerie aktualisiere ich stetig mit neuen Bildern aus meinem Läuferleben.

 

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2. arberland Ultratrail

back to the trail

Das Laub raschelt unter den Füßen, die Bäume bekommen langsam diese gold-gelben Farben und während unten im Tal noch der Hochnebel dieses kalten Morgens zu sehen ist, scheint über den Gipfeln des Bayrischen Waldes schon längst die Sonne. Es sind nur noch wenige Meter bis ich den Silberberg erklommen habe und ich diesen winzigen Augenblick der Glückseligkeit genießen kann. Die Stille des Morgens wird nur durch meinen eigenen Puls unterbrochen, denn dieser hämmert schon wie wild als ich dann endlich oben stehe. Es war wieder einer dieser Momente, ihr wisst schon... Obwohl noch 54 Kilometer der feinsten Trails vor mir lagen, war ich mir sicher, dass so ein Augenblick nicht so schnell wieder kommt. Doch fangen wir erst einmal von vorn an.

Und ich meine weit vorn. Genau 2 Wochen vor dieser Schlacht hatte es mich erwischt,

Männergrippe. Die Herren unter euch werden jetzt sicher mitfühlen können und mir einen

symbolischen Schulterklopfer zukommen lassen. Von den Damen erwarte ich jetzt ein langes „Ohhhhhh“. Auch meinem Kumpel Markus erging es nicht viel besser. Die 100 Meilen von Berlin hatten seinem Körper zugesetzt und eine Zwangspause war fällig geworden. Aber wir wären nicht die Ritter, wenn wir beim ersten Gegenwind schon SOS funken würden.

Unsere Köpfe waren stark genug, sich dieser letzten Schlacht des Jahres zu stellen und mit jedem Teil unserer Rüstung, welches wir anlegten, kehrte auch die Kraft in unsere Körper zurück. Wir waren bereit !!!

Gleich fällt der Startschuß

Bereit für die Schlacht

So betraten wir wieder Seite an Seite das Schlachtfeld und dieses befand sich auf dem Marktplatz im bayrischen Bodenmais. Während sich an jenem Septemberwochenende die meisten Läufer in Berlin trafen, um die Jagd nach Sekunden und Bestzeiten zu eröffnen, traf sich im Bayrischen Wald eine nicht mehr ganz so kleine Gemeinde, um richtig Spaß zu haben. Und der Spaß hatte hier auch einen Namen. Er hieß Arberland Ultratrail, war 60 Kilometer groß und 2500 Höhenmeter schwer. Inzwischen feierte er schon seinen 2. Geburtstag und 226 Gäste waren eingeladen. 7:00 Uhr wurde die Party eröffnet und dieser bunte Haufen mit Rucksäcken bewaffnet, stürmte los um den Woid zu erobern. Und wie schon erwähnt,wir die Ritter, durften natürlich nicht fehlen, und so stürzten wir uns ins Getümmel. Auf den ersten Kilometer hatten wir noch mit den heimtückischen Asphalt zu kämpfen, doch dieser war schnell besiegt und das erste Highlight wartete schon. Beim Anstieg zum Silberberg durchliefen wir eine Höhle, und diese war mit Fackeln ausgeleuchtet. Ich sage nur Lagerfeuer Romantik ; ) 20 Minuten später stand ich dann auf dem besagten Gipfel und schoss gleich wieder hinab, um anschließend den Kronberg zu erklimmen. Diese ersten 2 Gipfel mit zusammen 700 Höhenmetern hatten es schon in sich. Wer sich hier zu sehr verausgabte, für den wurde es hinten raus verdammt hart. Doch bei mir lief es, wie man so schön sagt. Bergauf konnte ich jetzt Platz um Platz gut machen, aber für das flotte Tempo musste ich einen verdammt hohen Preis zahlen. Ich konnte die Landschaft und die Ausblicke nicht wirklich genießen. Jeder Schritt musste bergab wohl überlegt sein und mein Kopf war ständig nach unten gerichtet, um den richtigen Weg nicht zu verfehlen. Da sind die noch Schnelleren echt arm dran, wenn es ihnen immer so geht. Ich war jedenfalls fest entschlossen, das weiter so durchzuziehen und erreichte nach 2:21 Stunden den Verpflegungspunkt Joskas Glasparadies bei KM 25.

Jetzt wartete der 8 Kilometer lange Anstieg zum Kleinen Arber mit 750 Höhenmetern.

Zum Glück war die Steigung bis zur Hälfte recht moderat, so dass ich noch einige Kilometer im Laufschritt absolvieren konnte. Als der Gipfel immer näher kam, musste auch ich in den Wanderschritt wechseln. Von der morgendlichen Kühle war inzwischen auch nicht mehr viel übrig, die Sonne gab alles. Ich natürlich auch. Einmal kurz bergab, wieder kurz bergauf und schon stand ich auf dem 1443 Meter hohen Großen Arber und mit mir unzählige Wanderer und solche die es noch werden wollen. Die meist älteren Herrschaften mit ihrer eher konservativen Kleidung, staunten nicht schlecht ,als dieser bunte Haufen eine Schneiße durch den Woid fräste.

Auf dem Großen Arber

Markus im Woid

Oben auf dem Gipfel war wieder einer dieser top ausgestatteten Verpflegungspunkte eingerichtet, bei dem ich mir noch einmal ordentlich süßes Zeug in die Backen stopfte, um für den anschließenden Downhill gut gerüstet zu sein, denn dieser hatte es in sich. Auf 3 Kilometern ging es 500 Höhenmeter hinunter zum Arbersee und zu dem sehr schweren Geläuf kam jetzt auch noch der Gegenverkehr dazu. Ihr wisst ja, die älteren Herrschaften ; )

Wechselweise den Blick nach unten und wieder kurz nach oben gerichtet, um nicht in den Gegenverkehr zu kommen, hämmerte ich dieses Teilstück hinunter. Da mich auch hier keiner überholte, konnte mein Tempo nicht zu langsam sein. Am Arbersee warteten Markus seine Eltern und meine Familie, die mich mit den aktuellen Zwischenstand noch einmal kräftig puschten. Gesamtrang 6 !!! schrien sie mir entgegen. Der Wahnsinn ging also weiter, aber für einen kurzen Stopp und eine Umarmung war noch genügend Zeit. Jetzt musste ich noch einmal auf die Zähne beißen, um den letzten 5 Kilometer langen Anstieg zu meistern, denn anschließend ging es fast nur bergab dem Ziel entgegen. Nach über 5 Stunden Laufzeit war auch der letzte Berg erklommen. Jetzt wollte ich mich eigentlich auf dem folgenden langen Downhill etwas „ausruhen“, doch weit gefehlt. Die technisch anspruchsvolle Strecke verlangte bis zum Schluss volle Konzentration, aber meine Füße sehnten sich endlich mal wieder nach einer Forststraße, denn die Blasen drohten zu explodieren. Nach 55 Kilometern war es dann soweit. Nein, nicht Zieleinlauf, sondern Forststraße. Juhu !!! Selbst bei einem Tempo von unter 4 min pro km war das eine Erholung. Und ich war mir sicher, dass mich bei diesem Tempo keiner mehr überholen würde. So erreichte ich freudestrahlend wieder den Ausgangspunkt der Schlacht, Bodenmais. Nur noch wenige Kurven, nur noch wenige Meter, dann erblickte ich schon meine Familie und riss weit vor der Ziellinie meine Arme in die Höhe.

Was war das für ein genialer Lauf. Was war das für ein hammermäßiges Finish.

Gesamtrang 6 und das in einer Zeit von 6:01:40 Stunden. Doch der Supergau folgte ein paar Minuten später als ich erfuhr, dass ich die Altersklasse der 40 bis 49jährigen gewonnen hatte. Doch das i Tüpfelchen und die Grundlage für eine phänomenale Saisonabschlussparty setzte mein Kumpel Markus, als auch er freudestrahlend über die Ziellinie schritt und den 22. Gesamtrang belegte.

Markus war zu schnell für die Kamera

Am Arbersee

Ja, Saisonabschlussparty was soll ich dazu sagen. Sicherlich etwas mit dem Potential zum Kultstatus. Ich fasse mal ein paar Eckdaten kurz zusammen. 60 Kilometer feinste Trails, 2500 Höhenmeter, viel Flüssigkeitsverlust, hoher Kalorienverbrauch, alkoholfreies Bier im Ziel, Radler zum Warm up und dann betrat Captain Morgan das Hotelzimmer mit einer Flasche Cola in der Hand. An dieser Stelle wäre jetzt ein Cut fällig, doch die Ritter hatten noch eine letzte Mission zu erfüllen und diese hieß Siegerehrung, auf den Marktplatz zu Bodenmais. Ich sage nur eine Bühne mit Stufen, aber auch diese letzte Herausforderung wurde mit Bravur gemeistert. Anschließend folgte der obligatorische Gang zum Italiener, dann folgte …., d a n n f o l g t e . . ., hodi odi ohh di ho di eh, hodi odi ohh di eh

Ich habe fertig ; )

Are wie der tschie

I hobs gschafft

Siegerehrung

Ende dieser Saison möchte ich mal wieder die Gelegenheit nutzen, um Danke zu sagen.

Ein großes DANKE für unseren Sponsor FRISTADS KANSAS, dass ihr uns ein weiteres Jahr so super unterstützt habt. Ein Dankeschön meinen Kumpel Markus für dieses schnelle Jahr und ich möchte um Entschuldigung bitten, dass ich dich manchmal so gequält habe ; ) Ein weiterer Dank natürlich für unsere Familien, dass ihr bei Wind und Wetter immer soooo lange auf uns warten musstet. Wir geloben Besserung !!!

Ja ,und einen großen DANK natürlich an euch, die uns immer die Daumen drücken und sich hier stundenlang durch mein Geschwafel lesen.

 

P.S.: Ich denke mir dann schon mal neue Schweinereien fürs nächste Jahr aus.

 

Ergebnisse:www.arberlandultratrail.de

 

                                                                                                   Taucha, den 05.10.2017

 

 

 

 

6. Berliner Mauerweglauf

Niemand hat die Absicht 100 Meilen zu laufen

... und dann taten sie es doch

Es waren genau 383 dieser Laufverrückten, die sich an jenem 12. August 2017 im Berliner Friedrich-Jahn-Sportpark versammelten. Und sie alle hatten, an diesem regnerischen Samstagmorgen, die volle Absicht, den ehemaligen Westteil dieser Stadt am Stück zu umrunden. Zugleich wollten sie an die 138 Menschen erinnern, die diesem Mauermonster zum Opfer gefallen sind. Und an ein Opfer wurde dieses Jahr besonders erinnert. Dorit Schmiel, die mit gerade einmal 21 Jahren, bei Kilometer 10 kaltblütig ermordet wurde. Doch dazu später mehr.

Ja, und ich war einer dieser 383 Laufverrückten, die da warteten bis endlich los gehen konnte.

Das ich überhaupt dort stehen durfte, grenzte schon fast ein Wunder. Okay, Wunder ist vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber manchmal fehlen auch mir die Worte. Deshalb möchte ich an dieser Stelle, und nicht wie üblich am Ende dieser Zeilen, die Gelegenheit nutzen, um mich bei einer Person ganz besonders zu bedanken: Orthopäde und Arzt meines Vertrauens: Klaus Peter

Kaiser aus Naumburg. Noch 2 Wochen vor dem Start war ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob ich auch nur annähernd an diese 162 Kilometer herankommen würde. Denn schon seit Wochen

schmerzte nach spätestens 3 Stunden laufen immer wieder meine Ferse, und es ging dieses Mal auch nicht von selbst wieder weg. Also, kurz vor Stunde Null, doch mal zum Arzt, aber selbst die so hoch gepriesene Spritze schaffte keine Besserung. Ja, aber dann holte Klaus Peter zum finalen Schlag aus, zog das letzte Ass aus dem Ärmel und das stach. STOSSWELLENTHERAPIE,

hieß das Zauberwort und wir hatten nur Zeit für zwei Behandlungen, doch diese saßen.

Um es vorweg zu nehmen, ich habe das Ding gerockt und das bis Kilometer 103 sogar völlig

schmerzfrei, danach tat eh a l l e s weh. Also Vielen Dank! Klaus Peter Kaiser und seinem gesamten Team.

Es wäre auch ein wenig vermessen zu glauben, 100 Meilen völlig schmerzfrei abzulaufen.

Für mich waren sie es jedenfalls nicht und für meinen Kumpel Markus erst recht nicht.

Ja, Markus war natürlich auch wieder mit am Start, die Ritter haben wir aber dieses Mal zu Hause gelassen, denn unsere Rüstungen mussten wir nicht extra anlegen. Gab es doch keine Berge in Berlin. Also wollten wir es einmal krachen lassen und schlossen einen Packt mit den Teufel. Eine teuflische Zeit von unter 16:48 Stunden hatten wir uns selbst auferlegt, mit dem Wissen, dass dies schon eine sehr sportliche Herausforderung darstellte.

So marschierten wir wieder Seite an Seite, den Teufel im Nacken, und im Gleichschritt langsam aus der Stadt heraus. Bei Kilometer 10 legten wir und die anderen Verrückten einen emotionalen Stopp ein. Hier gedachten wir der ermordeten Dorit Schmiel, indem jeder eine rote Rose niederlegte und kurz Inne hielt. Danach ging es weiter durch Wälder und Wiesen, immer den Mauerweg entlang und überall erinnerten Mahnmale an die vielen Opfer. Wir hatten jetzt unser Tempo gefunden und das spulten wir wie ein Schweizer Uhrwerk ab. Der Teufel konnte uns mal, 5:35 Minuten pro Kilometer liefen wir jetzt und das mussten wir auch, um an den vielen Verpflegungspunkten entlang der Strecke auch alle Leckereien probieren zu können. Ganze 27 Verpflegungspunkte waren auf den 162 Kilometern verteilt. Das ist schon echt einmalig und lädt zu wahren Fressorgien ein, jedenfalls bei mir.

Nach knapp 34 Kilometern erreichten wir den ersten Wechselpunkt der Staffelläufer. 3 Stunden und 8 Minuten waren wir jetzt schon auf den Beinen, aber die Welt war in Ordnung.

Wir fühlten uns stark, meine Ferse schmerzte nicht, der Regen machte uns auch nicht viel aus und wie schon gesagt, es gab reichlich zu essen. Läuferherz was willst du mehr.

So arbeiteten wir uns von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt bis wir den 11. erreichten. Dieser hieß Pagel & Friends und hier steppte der Berliner Bär. Partystimmung war angesagt!

Das alles war bei Kilometer 63,4 und ich musste hier einen unfreiwilligen Boxenstopp einlegen.

Die Fressorgie hatte bei mir Spuren hinterlassen, aber nach den Boxenstopp lief es wieder wie geschmiert. Den musste ich jetzt mal bringen ; )

Also auf zu den nächsten Kilometern, vorwärts immer – rückwärts nimmer.

Und diese entwickelten sich zur Achillessehne unseres Vorhabens, denn der Teufel sägte mächtig daran. Während ich unser Anfangstempo noch problemlos laufen konnte, hatte Markus damit seine Probleme. So schalteten wir einen Gang nach unten und liefen noch gemeinsam zum nächsten Verpflegungspunkt am Schloss Sacrow. Kilometer 71 stand auf dem Schild am VP, unsere Uhren zeigten eine Laufzeit von 6:44 Stunden an und unsere Köpfe meinten, dass es vernünftiger wäre, wenn jeder jetzt sein eigenes Rennen machen würde. Ich hätte zwar lieber auf mein Herz gehört, das auf ein gemeinsames Finish gehofft hatte, doch wir hatten ja diesen Pakt mit dem Teufel geschlossen und dieser hielt uns immer die 16 Stunden und 48 Minuten vor Augen. Also verabschiedeten wir uns mit dem gegenseitigen Versprechen, uns im Ziel als Finisher wieder zu sehen.

So machte ich mich allein auf den Weg, entlang der wunderschönen Berliner Gewässer. Ich bestaunte die „kleinen“ Häuschen in Ufernähe, wo die Rasenmähroboter die winzigen Vorgärten mähten und jedes Grundstück sein eigenen Bootsanlegeplatz hatte. Ich liebe dieses einfache Leben. Aber es war alles schön flach und einfach zu laufen, doch für meine Muskulatur ein Alptraum. Die Ferse schmerzte zwar immer noch nicht, aber so langsam kam auch ich in den Kampfmodus. Deshalb muss ich wohl nach fast 8 Stunden, das leckere, selbstgebraute Bier am VP Brauhaus Meierei bei KM83 komplett übersehen haben. Weiter ging es entlang der Gedenkstätte Griebnitzsee, bis ich nach 103 Kilometer den großen Verpflegungspunkt in Teltow erreichte und auf einmal war auch ich völlig fertig. Ich setzte mich noch kurz in die Turnhalle, um die durchnässten Schuhe zu wechseln, aß 2 Teller Suppe und fragte mich, wie ich wohl die restlichen knapp 60 Kilometer schaffen sollte. Von meinem Vorhaben unter diesen 16:48 Stunden zu bleiben hatte ich mich auch schon verabschiedet. Sollte mich doch der Teufel holen, es war mir Sch... egal.

Ich wollte nur noch irgendwie überleben. Als ich mich endlich wieder aufraffte um weiterzulaufen, zeigte meine Uhr 10 Stunden und 7 Minuten an, noch voll im Plan, aber an ein Laufen war erst einmal nicht zu denken. So fing ich langsam zu gehen an, es schmerzte einfach jeder Muskel und jetzt meldete sich auch noch meine Ferse. Nachdem ich 10 Minuten gegangen war, wollte ich es mal wieder mit Laufen probieren. Als ich dann den nächsten Kilometer mit laufähnlichen Bewegungen geschafft hatte und meine Uhr für diesen 8 Minuten anzeigte, war ich wieder am Boden zerstört. Beim nächsten Kilometer das gleiche Bild. Ich ergab mich also meinem Schicksal.

Der nächste Kilometer, nein eben nicht das gleiche Bild, plötzlich stand wieder eine 6 davor.

Hoffnung !!! Beim nächsten Kilometer stand auf einmal eine 5 davor und von Schmerzen keine Spur. Was war hier los ??? Hatte der Teufel seine Finger im Spiel ??? Ich wusste es nicht.

Ich wusste nur, das ich diese 5:30 Minuten pro Kilometer so lange halten wollte, bis gar nichts mehr ging. Ein Staffelläufer, der an einer roten Ampel zu mir stieß, unterstützte mich dabei kräftig.

So vergingen die nächsten Stunden wie im Flug und man tauschte Erlebnisse diverser „Heldentaten“ miteinander aus. Als wir uns ganz allmählich der City näherten, musste ich mein Tempo leider wieder reduzieren. Aber nach fast 13 Stunden hatte ich schon 131 Kilometer geschafft. Ich war wieder voll im Plan und vielleicht ging ja noch etwas mehr.

Jetzt bekam ich sogar Unterstützung vom Begründer dieses Laufs persönlich in Form einer Radbegleitung. Diese erwies sich zunächst als mental sehr wertvoll und später dann auch an den roten Ampeln. Jetzt wusste ich auch, warum so viele Läufer sich eine Radbegleitung mitgebracht hatten. Immer wenn ich mich einer roten Ampel näherte, fuhr meine kurzzeitige Begleitung voraus, um die Ampeln auf Grün zu drücken. Da war ich vielleicht begeistert, aber wie schon gesagt die Radbegleitung währte nur kurz und ich war wieder allein. So lief ich die schier endlose Gerade am Teltowkanal entlang bis ich in weiter Ferne doch noch ein paar Läufer erblickte. Mein Tempo hatte sich jetzt bei 6 Minuten pro Kilometer eingepegelt und ich wusste, dass ich diese Läufer vor mir auch noch einholen würde. So passierte es auch irgendwann in Neukölln.

Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, als ich entlang des Spreeufers lief. Ich kämpfte jetzt schon knapp 15 Stunden und muss schon ausgesehen haben wie ein Zombie, als mir dort die unzähligen Menschenmassen entgegenliefen. Alle waren am Feiern, hatten die besten Getränke in der Hand, die Grills brannten, die meisten hatten ihren Spaß und dann kam ich. Das Wesen aus einer anderen Welt, so kam ich mir jedenfalls vor, und musste da durch.

Das war schon ein harter Brocken, den mir der Teufel da in den Weg gelegt hatte. Kaum hatte ich mich da durchgekämpft, kam auch schon der nächste.

Ich hatte es inzwischen bis zur Berliner Innenstadt geschafft und lief entlang der restlichen Berliner Mauer. Auch hier säumten Menschenmassen dieses Mahnmal und ich musste wieder zum Spießrutenlauf ansetzen. Hier hatte ich zwar massig Zeit verloren, aber es gab ja jede Menge zu sehen. Den Verpflegungspunkt an der East Side Gallery bei Kilometer 148 erreichte ich nach 14 Stunden und 55 Minuten. Jetzt war es auch höchste Zeit, meine Stirnlampe aufzusetzen und im Lichtkegel dieser kämpfte ich mich zum Checkpoint Charlie. Doch auf diesen 6 Kilometern muss der Teufel wieder seine Finger im Spiel gehabt haben. Sämtliche Ampeln, die sich mir in den Weg stellten, hatte diese Ausgeburt der Hölle auf Rot gestellt und ich musste immer stoppen, sonst drohte die Disqualifikation. Der Zeitverlust war ja nicht einmal das Schlimmste, aber dieses ständige wieder Loslaufen schmerzte extrem, denn meinen Muskulatur hatte ihren Dienst schon lange eingestellt. Es funktionierte nur noch der Kopf und der hatte das Ziel schon vor Augen. Am Checkpoint Charlie angekommen, bot sich hier die Möglichkeit, die asiatische Küche zu probieren. Doch feste Nahrung konnte ich jetzt beim besten Willen nicht zu mir nehmen.

Ich schnappte mir ein Gel, schüttete etwas Cola in mich hinein und weiter ging es Richtung Brandenburger Tor bis zum Reichstag. Hier stand ich nun, vor dem Gebäude deutscher Geschichte und wusste nicht mehr wo es lang gehen sollte. Die Pfeile auf den Boden waren im Regen nur schwer zu erkennen und der GPS Track zeigte auch an, dass ich falsch war. Also kurz zurück, wieder vor, und irgendwann erblickte ich eine Leuchtmarkierung an einer Laterne. Der Weg war wieder gefunden, der Reichstag passiert und über einen Friedhof ging es zum letzten Verpflegungspunkt bei Kilometer 157. Obwohl ich auf dem Friedhof schon das Schlimmste befürchtete, ihr wisst ja der Teufel und so, erreichte die diesen letzten VP nach 16 Stunden. Es waren nur noch 5 Kilometer bis zum ersehnten Ziel im Friedrich-Jahn-Sportpark und dafür hatte ich maximal noch 48 Minuten Zeit.

Das sollte doch zu schaffen sein? Und das war es auch! Denn mit jedem Schritt dem ich dem Ziel näher kam, mobilisierte ich noch einmal alle Kräfte. Dann war es endlich soweit, der Jahn-Sportpark war erreicht und nur noch eine Stadionrunde, an deren Eingang meine Familie wartete.

Gemeinsam mit meine Tochter nahm ich diese 400 Meter in Angriff und zum Glück konnte ich das Tempo bestimmen. Selbst wenn der Teufel jetzt noch einmal alle Register gezogen hätte, keine Chance alter Freund. Ich hatte jetzt einen blonden Engel an meiner Seite. So erreichte ich überglücklich nach 16 Stunden und 32 Minuten das Ziel. Ich hatte den Teufel besiegt!!!

Genau wie die vielen tausend Menschen, die in jenem Herbst 89 auf die Straßen gingen, um die Teufel zu besiegen, die dieses Monster erschaffen hatten, welches Berlin 28 Jahre teilte.

Doch bei all meiner Freude in diesen 16:32 Stunden diese 100 Meilen, und damit die direkte Qualifikation für den Startathlon, geschafft zu haben, galten meine Gedanken Markus.

Wo würde er jetzt gerade sein? Wie schlecht wird es ihm gehen? Ist er überhaupt noch im Rennen? Fragen über Fragen! Nachdem ich einigermaßen wieder bei Kräften war, wagte ich einen Blick auf den Live Ticker. Er war noch dabei! Das war die gute Nachricht. Aber ich wusste auch, dass er mich für diesen Lauf hassen würde ; ), denn er sollte noch einige Stunden auf den Beinen sein. In manchen Sportarten ist das so, mal gewinnt man und mal verliert man. Doch in unserem Sport gibt es keinen Verlierer, da ist jeder Gewinner, der auch nur die Eier hat, sich überhaupt dieser Herausforderung 100 Meilen zu stellen. Da ist es egal, ob man wie der 59jährige!!! Gesamtsieger Jan-Albert Lantink nach unglaublichen 13:39 Stunden ins Ziel kommt oder wie ich nach 16:32 Stunden oder Markus nach 22:57 Stunden oder Krista Preckel nach 29:58 Stunden.

Es spielt keine Rolle, 100 Meilen wollen erst einmal gerockt werden.

 

Ergebnisse:www.100meilen.de

                                                                                                    Taucha, den 20.08.2017

 

 

 

 

4. Fichtelberg Ultra

Zeit für Heldentaten

Noch vor nicht all zu langer Zeit hätte ich jeden für verrückt erklärt, der mir gesagt hätte, er laufe von Chemnitz bis auf den Fichtelberg.

 

Ja und wie sich die Zeiten ändern. Schon mit sehr viel Erfahrung und den nötigen Kilometern in den Beinen stehen sie beide hier, in Chemnitz, um den mit 1215 Metern hohen Fichtelberg tief im Herzen Sachsens, zu stürmen.

Es ist der 4.Juni anno 2017, als der schwarze Ritter und sein Freund Markus die Arena am Schloss Klaffenbach (in Chemnitz) betraten. Ihre Zeitmesser zeigten kurz vor 7:00 Uhr,

die Sonne brannte schon gewaltig und die Rüstung saß perfekt. Vor ihnen lagen 55 Kilometer und 1600 Höhenmeter, bis sie den höchsten Punkt der östlichen Hemisphäre erreichen würden. Schon lange vorher hatten sie einen Pakt geschlossen. Ein Pakt der besagte, das wenigstens einer der beiden Ritter diese Schlacht sehr erfolgreich beenden solle.

Die Ritter sind bereit

 

 

Die Schlacht beginnt

 

 

So starteten sie zwar Seite an Seite, doch am Ende starb jeder für sich allein.

Die ersten Kilometer waren noch ein lockeres Abtasten mit den anderen Kriegern. Doch schon bald kämpften die beiden Ritter an vorderster Front mit. Nur ein ganz junger Krieger

zeigte, dass in dieser Schlacht der Sieg nur mit ihm auszumachen war.

Also entschied sich der Schwarze Ritter dieses Tempo mitzugehen und sein Freund Markus wünschte ihm viel Glück dabei. Nach 30 Minuten und 6 Kilometern erreichten sie das Örtchen Burkhardsdorf, als sie für einen Moment unachtsam waren und die falsche Richtung einschlugen. Der Schwarze Ritter erkannte zum Glück dieses Missgeschick rechtzeitig und rief den jungen Wilden zu, dass sie umkehren müssen. Als sie wieder auf der richtigen Strecke waren, sah der Schwarze Ritter in der Ferne seinen Freund Markus, der für den Moment der Herr dieser Schlacht war. Es sollten noch ein paar Minuten vergehen, bis es wieder ein Dreikampf wurde. Doch Ritter Markus wollte dieses Höllentempo, das es jetzt wurde, nicht weiter mitgehen und gab erneut dem Schwarzen Ritter die besten Wünsche mit auf den Weg. Nach einer Stunde erreichten sie den Ort Auerbach. Der Weg dahin verlief sehr abschüssig und der Schwarze Ritter konnte das Tempo des jungen Wilden nicht mehr halten und ließ ihn ziehen. Schnell lagen schon recht viele Meter zwischen den Beiden, als der Schwarze Ritter erkannte, dass dieser erneut in die falsche Richtung lief. Er schrie so laut er konnte, um den Jungen Wilden wieder auf den richtigen Pfad zu lotsen, aber seine Schreie verhallten ohne wahrgenommen zu werden, so groß war schon der Abstand zwischen den Beiden. Also kämpfte sich der Schwarze Ritter allein durch die Wälder des Erzgebirges und wartete darauf bis sein Konkurrent wieder aufschloss.

So erreichte er nach 1:22 Stunden den ersten Verpflegungspunkt bei Homersdorf nach 17

Kilometern. Schon von Weiten erblickte der Schwarze Ritter die Eltern von Ritter Markus,

die den Beiden bei dieser Schlacht Beistand leisteten. Er stärkte sich mit den erlesensten Speisen, die ihm dort angeboten wurden. Dann wurden noch ein paar nette Worte gewechselt bevor er sich wieder allein weiter machte, denn von seinen Verfolgern fehlte jegliche Spur.

Seite an Seite mit den Jungen Wilden

 

 

Markus in Aktion

 

 

Er meisterte noch ein paar Höhenmeter, bevor es die nächsten Kilometer recht eben zur Sache ging. Jetzt spürte der Schwarze Ritter, wie so langsam seine Oberschenkelmuskulatur immer fester wurde und er richtete sich schon auf ein hartes Finale dieser Schlacht ein. Doch bis zu diesem war es noch ein weiter Weg, denn es musste noch mehr als die Hälfte gekämpft werden. Und zu kämpfen hatte er jetzt auch in diesem Wald, mit den schier endlos langen Geraden. Auf diesen wagte der Schwarze Ritter dann doch mal einen Blick zurück und in weiter Entfernung konnte er schemenhaft den Jungen Wilden erkennen. Er wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis er den Platz an der Sonne wieder abgeben musste. Kurz vor dem 2. Verpflegungspunkt war es dann soweit. Der Schwarze Ritter wurde nach 29 Kilometern wieder überholt und er hatte dem Jungen Wilden nichts mehr entgegen zu setzen. Er kämpfte nach 2:18 Stunden nur noch mit sich selbst. Hier, am Verpflegungspunkt, in Elterlein, nahm er sich etwas mehr Zeit seine Energiespeicher wieder aufzufüllen. Auch hier warteten wieder die Eltern von Ritter Markus und sie hatten frohe Kunde, denn dieser kämpfte an 3. Stelle. Kurz vor 10:00 Uhr erreichte der Schwarze Ritter Scheibenberg. Dort musste er wieder ein paar Höhenmeter bewältigen, bevor er sich an der Weite der blühenden Felder erfreuen konnte. Doch was heißt erfreuen? Er versuchte es zumindest, denn dieser Abschnitt tat richtig weh. Aber er war sich sicher, dass es den anderen Kriegern an dieser Stelle nicht besser gehen würde.

Essen fassen

 

 

Kurz vorm Verpflegungspunkt

 

 

Bei der Marathonmarke, nach 42 Kilometern, war der dritte und letzte Verpflegungspunkt eingerichtet. Diesen erreichte der Schwarze Ritter nach 3:18 Stunden. Jetzt kratzten die Temperaturen schon an der 30 Grad-Marke und er musste entsetzt feststellen, das er aufgehört hatte zu schwitzen. Der Schweiß auf seiner Haut war getrocknet und hatte sich zu einen Panzer aus lauter Salzkristallen gebildet. Um diesen abzustreifen benötigte er viel Wasser, doch dieses suchte er vergeblich. Deshalb nahm der Schwarze Ritter an diesem Verpflegungspunkt so viel Salz zu sich, wie er nur konnte und hoffte den Rest dieser Schlacht noch gut zu überstehen. Danach tatzte er sich noch seine Lanzen, die er dort deponiert hatte, und nahm die 13 finalen Kilometer in Angriff. Der Anstieg zum Fichtelberg hatte schon sanft begonnen, so dass der Schwarze Ritter noch ein paar Kilometer laufend zurücklegen konnte. Aber zur Unterstützung bohrte er immer wieder seine Lanzen in den Boden.

Nach 48 Kilometern ging es noch einmal bergab. Hier warteten ein paar Mountainbiker, die den Schwarzen Ritter nach unten peitschten. Als er die „Talsohle“ erreichte, lagen nur noch 5 Kilometer bergauf vor ihm. Abwechselnd zwischen Laufen und Gehen machte er Meter um Meter gut und die Bäume wurden immer lichter. So langsam konnte er das Ende dieser Schlacht schon erahnen und er beschloss einen Kilometer davor wieder zu laufen.

Aber jetzt machte sich der hohe Salzverlust bemerkbar, denn seine Waden gehorchten ihm nicht mehr. Er schaute noch einmal zurück und als er weit und breit keinen Verfolger erblickte, beschloss er die restlichen Meter zu gehen. Zu groß war das Risiko jetzt noch einen richtigen Krampf zu riskieren. Obwohl die Sonne noch immer erbarmungslos brannte, zauberte sie jetzt dem Schwarzen Ritter ein Lächeln ins Gesicht, als er die wartenden Chronisten dieser Schlacht erblickte. 80 Meter vor dem Ziel musste er nur noch ein paar Stufen meistern. Unter den Anfeuerungsrufen der Masse und dem 2. Platz schon vor Augen stürmte er diese Stufen hinauf, als urplötzlich und ohne Vorwarnung seine beiden Waden zu krampfen begannen. Das Ziel schon zum Greifen nahe konnte er sich nicht mehr auf den Beinen halten, er brach zusammen und schrie vor Schmerzen. Von allen Seiten bekam er plötzlich Unterstützung, alle wollten jetzt den Schwarzen Ritter helfen und ihn am liebsten ins Ziel tragen. Doch soweit wollte er es nicht kommen lassen. Schließlich hatte der Schwarze Ritter immer das Ziel auf seinen eigenen zwei Beinen erreicht (wenn er es erreichte). Also wagte er wieder einen Blick zurück. Da noch immer niemand zu sehen war, begann er ganz langsam seine Füße zu überstrecken um seine Waden für diese letzten Meter zu mobilisieren. Das war ein hartes Stück Arbeit, denn der Wadenmuskel war so verkrampft, dass er nicht größer war wie seine Faust. Nach schier endlosen Minuten hatte er es geschafft. Er stand wieder auf seinen zwei Beinen und schleppte sich die letzten Meter ins Ziel.

Die letzten Meter, hier war die Welt noch in Ordnung

 

 

Sekunden später ging der Schwarze Ritter zu Boden

 

 

Er hatte es geschafft! Er war zurück und nach 4:47 Stunden hatte er den 2. Platz sicher. Doch die Freude währte nur kurz. Kaum dass er die Ziellinie überschritten hatte, begannen fast alle Muskeln unterhalb der Gürtellinie zu krampfen und er krümmte sich vor Schmerzen. Als er wieder einigermaßen bei Kräften war, ging er noch einmal zu dieser ominösen Treppe, die ihn zu Boden gestreckt hatte. Aber er wollte keine Rache. Er wartete jetzt auf Ritter Markus und dieser lies nicht lange auf sich warten. 15 Minuten nach dem Schwarzen Ritter schaffte er es das Podest zu komplettieren und beendete die Schlacht sogar noch mit einem Lächeln.

Die beiden Ritter sind zurück. Nach ihrem ersten DNF, Ende April, haben sie hier, beim

Fichtelberg Ultra, mit den Plätzen 2 und 3 zurückgeschlagen. Und sie sind bereit weitere Heldentaten zu vollbringen.

Geschafft !!! Auf den 1215 Meter hohen Fichtelberg

 

 

Auch Markus ist im Ziel

 

 

Siegerehrung im Fichtelberghaus

An dieser Stelle möchte ich noch etwas los werden. Hatte ich mich noch in meinem letzten

Bericht so ziemlich aufgeregt, wie manche Organisatoren (Meldeläufer) kleinerer Läufe einem nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen, wurde ich dieses Mal eines Besseren belehrt.

Was war das für eine geile Veranstaltung !!! Klein (noch), familiär, nett und herzlich. Eben typisch Sachsen oder besser: Erzgebirge. Was die Frauen und Männer um

Ronald Gasch da auf die Beine gestellt haben, ist echt einmalig. Eine top organisierte Veranstaltung, die jeden Cent wert ist und sogar noch ein paar mehr. Eine ganz klare Empfehlung vom Schwarzen Ritter und noch ein Geheimtipp, aber bestimmt nicht mehr lange.

 

 

Ergebnisse:www.fichtelbergultra. 

                                                                                    Taucha, den13.06.2017

 

 

 

Hexenstieg Ultra

Mission Hexenjäger

Es war ein kalter und unheimlich dunkler Morgen an jenem 29. April des Jahres 2017.

Die Wolken hingen noch bedrohlich tief und die letzten Tropfen fielen gerade zu Boden,

als die Ritter das Schlachtfeld betraten. Dieses Mal hieß ihre Mission „Hexenjäger“.

Sie stellten sich der unglaublichen Aufgabe, am Walpurgiswochenende die Hexen, die Dämonen und die bösen Geister entlang des Harzer Hexenstiegs zu vertreiben.

Dieser sagenumwobene Wanderweg führt von Osterode nach Thale und wieder zurück.

Auf dem Hinweg ist dabei der Brocken zu bezwingen, auf dem Rückweg der Hexentanzplatz und der Wurmberg. Mit einer Streckenlänge von 218 Kilometern und 4400 Höhenmetern flößte er den erfahrenen Rittern jede Menge Respekt ein. Aber sie waren sich dieser Herausforderung bewusst und sie wollten alle Hexen und Geister als Erste vertrieben haben. Doch zuvor mussten sie Geduld und Ruhe bewahren. So gingen sie gemeinsam mit den weiteren 53 Hexenjägern erst einmal dem Start entgegen. Mit einer Verzögerung von 30 Minuten war es dann soweit, 6:30 Uhr wurde die Hexenjagd ganz unspektakulär eröffnet.

Abholen der GPS Tracker

 

Auf dem Weg zum Start

 

Gruppenbild vor dem Start

 

 

Der Startpunkt des Hexenstiegs

 

 

Obwohl die beiden Ritter ihre Hexenjagd ganz gemächlich begannen, befanden sie sich schon bald an vorderster Front. So meisterten sie die ersten Höhenmeter gemeinsam und die ersten Hexen mussten auch schon dran glauben. Nach geraumer Zeit wagten sie dann doch einen Blick zurück, aber von den anderen Hexenjägern war weit und breit nichts zu sehen.

Sollte ihnen das zu denken geben? Sie ließen sich nicht beirren und marschierten weiter Seite an Seite. Sie hatten den ersten Verpflegungspunkt bei KM 19 schon fest im Blick, als zwei weitere Hexenjäger zu ihnen aufschlossen. Doch was heißt Verpflegungspunkt, denn von Essbarem war weit und breit nichts zu sehen. So füllten sie nur ihre Wasserreserven auf und stärkten sich mit ihren eigenen Vorräten.

Der nächste Verpflegungspunkt wartete dann bei KM 34 in Torfhaus. Der Weg dort hin war für die beiden kampferprobten Ritter ein Kinderspiel. Sämtliche Hexen, die es auch nur wagten sich ihnen in den Weg zu stellen, wurden einfach weggeblasen. So erreichten sie nach 3 Stunden und 22 Minuten Torfhaus. Hier stärkten sie sich aber richtig, denn das Buffet ließ keine Wünsche offen. Danach marschierten sie über Stege und Pfähle durch diese einmalige Torflandschaft, dort wo sich die Hexen am sichersten fühlten. Doch diese waren so gut getarnt, dass es nichts zu holen gab. So konzentrierten sich die Beiden lieber auf den Anstieg zum Brocken. Doch vorher ging es den herrlich trailigen Goetheweg entlang, Richtung Eckersprung. Hier blieb Ritter Markus plötzlich im Morast stecken und verlor seinen Schuh. Doch der Prinz hinter ihm erkannte das Malheur. Er befreite, unter Einsatz seines Lebens, diesen legendären Schuh und reichte ihn Ritter Markus. Der Schuh passte und beide konnten ihre Hexenjagd fortsetzen (Ähnlichkeiten mit einem euch bekannten Märchen sind rein zufällig). Den Eckerstausee umrundeten sie fast komplett und dann erstürmten sie den Gipfel des 1142 Meter hohen Brockens. 12:15 Uhr standen sie gemeinsam auf dem höchsten Gipfel Norddeutschlands. Auf das Objekt der Begierde, das obligatorische Gipfelfoto, mussten sie leider verzichten. Ein von Dämonen besessener Brockentourist hatte komplett versagt. So befreiten die Hexenjäger wenigstens diese arme Seele von seinen Dämonen, damit er das nächste Mal besser fotografieren kann und sie machten sich auf den Weg nach Drei Anne Hohne. Hier warteten die Eltern des Schwarzen Ritters, samt Mutterschiff, auf die Beiden. Nach 64 Kilometern war das Mutterschiff erreicht und die Zeit gekommen, sich wieder zu stärken. Feste Nahrung und ein warmer Tee können manchmal wahre Wunder bewirken. So flogen die beiden Hexenjäger die nächsten Kilometer den gleichnamigen Stieg entlang und konnten ihre Führung behaupten.

Verpflegungspunkt Torfhaus

 

 

Entlang der Strecke

 

 

Über die Torflandschaft

 

 

Auf dem Weg zum Brocken

 

 

Jetzt ging es entlang der Bode nach Rübeland zum nächsten Checkpoint bei KM 79. Hier hinterließen beide um genau 15:00 Uhr ihren Fußabdruck.. Alle Hexen, die ihnen bis jetzt entkommen waren, sollten besser das Weite suchen, denn die Hexenjäger waren zu allem entschlossen. Sie wollten so schnell wie möglich Thale erreichen, denn dort warteten ihre Familien auf sie. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg und entlang der Talsperre Wendefurth wurden ihre Beine immer schwerer. Es erwies sich wieder von Vorteil, dass sie zusammen ein unschlagbares Team bildeten. Sie ergänzten sich auch in der schwierigsten Situation hervorragend. Als ihr GPS Gerät vorübergehend den Geist aufgegeben hatte, motivierten sie sich gegenseitig. Einige Kilometer vor Thale wurde die Schlucht immer enger und furchterregender. Die trailigen Passagen konnten sie nicht mehr so richtig genießen und die Hexen und Dämonen begannen jetzt von ihnen Besitz zu ergreifen. Sie lagen zwar noch an zweiter Position, aber diesen Kampf hatten sie in ihren Köpfen schon längst verloren. Sie wollten nur noch überleben.

Als die Schlucht wieder breiter wurde und die Sonne ein letztes Mal an diesem Tage ihre erschöpften Körper streichelte, erblickten sie von Weitem ihre Familien.

Aber es folgte nur eine kurze Umarmung, denn Beide mussten noch die sogenannte Präsidentenrunde bewältigen, wobei sie vom nächsten Hexenjäger überholt wurden.

Um genau 19:15 Uhr erreichten sie die Jugendherberge in Thale und fielen ihren Familien in die Arme. Über 108 Kilometer hatten sie jetzt schon in den Beinen und genau so viele lagen noch vor ihnen. Jetzt war es an der Zeit, die Rüstung zu wechseln, sich zu stärken,

bereit zu machen für die Nacht und die Wunden zu versorgen. Und Wunden gab es schon reichlich. Bei Ritter Markus war das Sprunggelenk schon so stark angeschwollen, dass man schon gar keinen Knöchel mehr erkannte. Beim Schwarzen Ritter zeichneten sich wieder leichte wunde Stellen am Rücken ab, doch diese wurden Dank der netten Helfer an diesem Verpflegungspunkt bestens versorgt. Viel mehr Kopfzerbrechen breitete ihm aber seine Achillessehne. Diese war schon so stark angeschwollen, dass er beim Bewegen des Fußes erheblich eingeschränkt war. Aber nach 45 Minuten beschlossen die Beiden, ihre Hexenjagd fortzusetzen und ihre Familien wünschten ihnen viel Glück dabei.

So gingen sie schweren Schrittes den Weg hinauf zum Hexentanzplatz, dem Zentrum des Bösen. Doch hier war alles friedlich, die Hexen hatten sich verzogen und lauerten an anderer Stelle. Jetzt brach auch langsam die Nacht herein und mit ihr kam die Kälte.

Die beiden Hexenjäger waren sich sicher, jetzt würden die Hexen alles versuchen um sie zu besiegen und die gemeinste Hexe hatte schon damit begonnen, von Ritter Markus Besitz zu ergreifen. Er konnte sich nur noch gehend fortbewegen, zu groß waren seine Schmerzen.

Verpflegung am Mutterschiff

 

 

Die Hälfte der Hexenjagd ist gleich geschafft

 

 

So schleppten sich die Beiden bis KM 119, wo der nächste warme Verpflegungspunkt eingerichtet war. Nachdem sie eine heiße Suppe zu sich genommen hatten, wurden ihre ausgekühlten Körper wieder mit neuem Leben erfüllt und sie beschlossen, es den Hexen heimzuzahlen. So ging es erneut hinaus in die Nacht und die Hexen griffen abermals an, schließlich war es ihr Revier, das sie verteidigen wollten. Zu allem Überfluss hatten sich die beiden Hexenjäger jetzt auch noch verlaufen. Sie irrten umher, mussten durch das Unterholz kriechen, um nach 20 Minuten wieder auf dem richtigen Weg zu sein.

Jetzt folgten die Beiden zwar wieder dem ursprünglichen Pfad, doch die gemeinste aller Hexen hatte Ritter Markus endgültig besiegt. Sein Knöchel schmerzte inzwischen so stark, dass er sich erhobenen Hauptes der Hexe geschlagen geben musste. Schweren Herzens verabschiedeten sich die beiden Freunde. Eine letzte Umarmung und Markus schickte den Schwarzen Ritter allein weiter, um es den Hexen zu zeigen, wer hier im Wald der Boss ist. Während Ritter Markus die 3 Kilometer zurück zum Verpflegungspunkt humpelte, machte sich der Schwarze Ritter mit aller Entschlossenheit los, um seinen Freund zu rächen. Er begann wieder zu laufen, aber nicht um die zwei Hexenjäger, die noch vor ihn lagen einzuholen, nein er lief gegen die Kälte. Bis zum KM 134 in Hasselfelde musste er sich erst einmal durchschlagen, denn dort wartete wieder das Mutterschiff um ihn zu versorgen. Die Navigation allein in der Nacht gestaltete sich jetzt weitaus schwieriger. Ständig musste er zusätzliche Meter in Kauf nehmen. Da er jetzt ganz allein auf sich gestellt war, witterten auch die Hexen ihre Chance und starteten einen erneuten Angriff. Dieser war an Gemeinheit kaum zu überbieten. Erst ließen sie seine Achillessehne so stark schmerzen, dass an ein Laufen nicht mehr zu denken war. Er musste jetzt gehen und als ob das nicht schon Strafe genug wäre, ließen diese gottverdammten Hexen auch noch die Temperaturen bis auf Minus vier Grad sinken.

Der schwarze Ritter spürte schon seit geraumer Zeit seinen eigenen Körper nicht mehr, denn gegen diesen perfiden Plan hatte er kein Mittel. Er hatte alles angezogen, was sein Rucksack hergab. 4 Schichten trug er jetzt schon auf der Haut, doch er konnte die Jacken nicht einmal mehr zumachen. Seine Finger waren trotz Handschuhe bewegungsunfähig. Das Einzige was wieder etwas Wärme in seinem Körper hätte bringen können, wäre genügend Bewegungsenergie, doch diese war nur eingeschränkt möglich, da die Schmerzen in seiner Achillessehne einfach zu groß waren. Ein Teufelskreislauf, aus dem es kein Entrinnen gab. Die Hexen hatten ganze Arbeit geleistet. Jetzt waren nur noch seine mentale Stärke und sein Wille gefragt, sich von den Hexen nicht unterkriegen zu lassen.

Aber diese eisigen Temperaturen hatten sämtliche Gehirnfunktionen außer Kraft gesetzt.

So gefroren hatte der Schwarze Ritter noch nie zuvor in seinem ganzen Leben und er musste sich so langsam eingestehen, dass er diesem mörderischen Plan der Hexen nicht gewachsen war. Und mörderisch wäre es vielleicht auch bei diesen Temperaturen noch geworden, aber diesen totalen Triumph wollte er den Hexen nicht gönnen. Obwohl er schon viele schwere Schlachten geschlagen hatte, ging er immer als Sieger von Platz. Doch jetzt musste er sich seine erste Niederlage eingestehen. Gegen die Hexen hatte er keine Chance. Denn selbst nach Hasselfelde warteten noch stattliche 84 Kilometer auf ihn und diese noch unbeschadet zu bewältigen, sah er sich außer Stande.

Also schleppte er sich mit letzter Kraft nach Hasselfelde, wo er weiter umher irrte, bevor er sein geliebtes Mutterschiff erreichte. Als die Tür aufging, konnte er schon etwas von dieser angenehmen Wärme spüren und drinnen erblicke er neben der Besatzung auch Ritter Markus. Es dauerte einige Minuten bis sein Körper begann diese Wärme aufzusaugen und die ersten Worte über seine Lippen kamen. Schweren Herzens verkündete der Schwarze Ritter, dass die Hexen ihn besiegt hatten. Doch hatten sie ihn wirklich besiegt? Oder war es nur eine Lektion, die ihm vielleicht mehr half als ein Sieg oder Finish. Er musste eine Entscheidung treffen, eine endgültige.

Eine Entscheidung, die er in 3 oder 4 Stunden eventuell bereuen könnte, da sie nicht mehr rückgängig zu machen ist, wenn später in der Ergebnisliste DNF steht. Aber er hatte seine Entscheidung keine Sekunde bereut. Er hatte dieses Mal seine Gesundheit nicht aufs Spiel gesetzt, nur um sich oder anderen etwas zu beweisen. Er muss Keinem mehr etwas beweisen als UTMB Finisher. Und wie sich später herausstellte,war er sogar froh es nicht beendet zu haben.

Er hätte sich auf den letzten schweren Kilometern immer den Zieleinlauf vorgestellt.

Daraus hätte er die Kraft gezogen für ein erfolgreiches Finish.

Doch bei dieser Veranstaltung war gar kein Ziel da. Als der erste Hexenjäger nach fast 32 Stunden, Respekt und Gratulation an dieser Stelle, das Hotel „Harzer Hof“ in Osterode erreichte, war überhaupt nichts zu sehen, was an eine Laufveranstaltung erinnert. Im Gastraum war dann ein Tisch eingerichtet, wo der Sieger und die anderen Finisher ihre von Hand ausgefüllten Urkunden und Finisher Medaille abholen konnten. Fertig!!! Und Siegerehrung?

Fehlanzeige, die gab es auch nicht. Der Veranstalter (meldelaeufer.de) hatte spontan entschieden, doch keine zu machen, obwohl es in der Ausschreibung stand.

Wie so vieles, was darin stand und es dann doch nicht gab.

Da lob ich mir doch diese kommerziellen, top organisierten Veranstaltungen (z.B. Plan B),

wo man einfach den Pfeilen und Schildern hinterher laufen muss und so die Landschaft wenigstens genießen kann, ohne dabei ständig den Blick aufs GPS Gerät zu richten.

Da weiß ich wenigstens wofür ich hunderte Euro Startgeld zahle.

So, das musste ich jetzt einmal los werden.

In diesem Sinne, die Ritter kehren zurück.

 

 

                                                                                              Taucha, den 03.05.2017

 

 

 

1. Hochkönigman

Bis an die eigene Grenze und einen Schritt weiter

Es ist der 5.Juni 2015, als sich der Schwarze Ritter gerade im Zentrum von Maria Alm befindet. Was für ein herrlich gelegenes Fleckchen Erde, in mitten dieser imposanten Bergwelt. Ein Ort, wie gemacht für das Spektakel, was in weniger als 15 Stunden beginnen sollte. Ja, der Schwarzen Ritter war wieder bereit für eine Schlacht, an die er sich noch lange zurück erinnern sollte. Hatte er in den letzten Schlachten immer seinen treuen Begleiter Markus an seiner Seite, so musste er dieses Mal allein los ziehen. Doch was heißt allein. Er hatte seine Familie bei sich, die ihn wie immer kräftig unterstützten wollte.

Mächtig stolz machte den Schwarzen Ritter, dass auch sein Erstgeborener bereit war, sich einer solch schweren Prüfung zu unterziehen. Doch dazu später mehr.

Die Sonne hatte inzwischen ihren Höchststand erreicht und brannte erbarmungslos. Das Thermometer  zeigte 32 Grad an und es waren noch gut 10 Stunden bis zum Start. Diese 10 Stunden vergingen wie Tage, bis endlich nur noch 2 übrig waren. Dann begann der Schwarze Ritter langsam seine Rüstung anzulegen, während  seine Lieben schon in die ewigen Jagdgründe einzogen. Ein letzter Check seiner Ausrüstung und dann machte er sich auf dem Weg zum Start. Er hörte die Musik schon von Weiten und die Anspannung stieg, denn schließlich galt es 87 km und 5600 Höhenmeter zu bewältigen.

Dann war es endlich soweit. Der 6. Juni,  1:00 Uhr als 130 Verrückte in die Schlacht geschickt wurden. Das Thermometer zeigte immer noch 20 Grad und eine Luftfeuchte von 87% an und gleich zu Beginn ging es ohne Kompromisse den Berg hinauf. Schnell zog sich das Teilnehmerfeld auseinander und der Blick zurück ins Tal war einfach genial. Zu sehen, wie sich eine Schlage aus lauter Stirnlampen den Berg hinauf windet.

Nach 11 Kilometern kam der Schwarze Ritter wieder in Maria Alm an.

Er stärkte sich kräftig und dann ging es wieder den gleichen Berg hinauf.

Und wieder dieser Blick zurück, doch dieses Mal sah er nicht die Schlage aus Stirnlampen.  Er sah diesen ruhigen und beschaulichen Ort, Maria Alm, und er wusste es werden viele Stunden vergehen bis er ihn wieder sehen sollte. Nach 17 Kilometern erreichte er den Abzweig, der ersten Runde. Jetzt musste er aber nach rechts abbiegen, Richtung Hinterthal. Nach 22 Kilometern sollte der Verpflegungspunkt in Hinterthal erreicht werden. Doch nach 22 Kilometern stand der Schwarze Ritter noch mitten im Wald. Er wurde das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Verlaufen ? Nein, doch nicht.  Den Verpflegungspunkt erreichte er, gemeinsam mit zwei anderen Kriegern, erst nach 24 Kilometern.

Der Tag erwacht
...und ich auch

Auch dieser kleine Ort faszinierte den Schwarzen Ritter. Wie er so still und friedlich in den frühen Morgenstunden erstrahlte, eingebettet von fast senkrecht verlaufenden Felswänden. Und genau hier, in irgendeinem dieser Hotels, ruhte zu dieser Zeit gerade sein Freund Fred. Zu gerne wäre dieser auch in diese Schlacht gezogen, doch eine Verletzung aus vergangenen Schlachten machte dies zunichte. So verblieb dem Schwarzen Ritter nur ein kurzer Gedanke an seinen Freund und dessen Familie, bevor es wieder den Berg hinauf ging. Als er oben angekommen war, musste der Schwarze Ritter kurz inne halten. Es war der Moment, den er genießen wollte. Er war ganz allein in dieser Bergwelt, als sich die Sonne so langsam über die Berge schob.

Weit weg waren die Gedanken an Platzierungen und Zeiten. Er wusste, dass es ein Privileg war, jetzt hier sein zu dürfen und das wollte er nur genießen. Ja, und genau wegen solcher Momente liebte er diesen Sport über alles. Dann tauschte er seine Stirnlampe gegen ein Sonnenschild und machte sich wieder auf dem Weg, Richtung Arthurhaus, wo wieder Nahrung auf ihn wartete. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten fand der Schwarze Ritter dann doch den richtigen Weg. Er lief über ein paar Schneefelder, durchquerte Bäche und trieb Kuhherden vor sich her, bis er das Arthurhaus erreichte.

Die Kühe sind los
Der Schwarze Ritter

Jetzt merkte er, dass diese Schlacht etwas länger dauern könnte. Laut Kartenmaterial sollte er jetzt bei Kilometer 38 sein, doch seine Uhr zeigte schon weit über 40 an. Nach dem Arthurhaus folgte der Anstieg zum Hochkeil. Hier oben nutzte der Schwarze Ritter die Gelegenheit für ein paar Fotos, denn ihm bot  sich ein wunderbarer Blick auf dem Hochkönig. Danach ging es für lange Zeit bergab, bis nach Mühlbach. Hier legte der Schwarze Ritter seine alte, verstaubte und vom Schweiß getränkte Rüstung ab. Sein neues Gewand hatte er sorgsam nach den äußeren Bedingungen ausgewählt.

Die Sonne brannte jetzt erbarmungslos und der Asphalt schien sich zu bewegen. Er füllte noch einmal seine sämtlichen Wasservorräte auf und machte sich wieder auf den Weg. Diese Schlacht dauerte jetzt schon 8 Stunden und obwohl er hier bei Kilometer 47 sein sollte, hatte er schon über 51 in den Beinen. Doch jetzt begann es erst richtig.

An der Talstation der Seilbahn angekommen, wartete jetzt ein wahrer Mörderanstieg von über 1000 Höhenmetern. In der prallen Sonne und bei Temperaturen von 30 Grad schob sich der Schwarze Ritter Stück für Stück den Berg hinauf. Während er diesen Anstieg bewältigte, war er mit seinen Gedanken ganz bei seinem Sohn. Denn inzwischen zeigte der Zeitmesser 10:00 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt zog sein Sohn in die größte Schlacht, seines noch jungen Lebens. 21 Kilometer, 1500 Höhenmeter und das bei Temperaturen von 30 Grad. Der Schwarze Ritter wünschte, er hätte seinem Sohn irgendwie dabei helfen können.

Aber Hilfe benötigte der Schwarze Ritter vielleicht bald selbst.

Nach fast 2 Stunden des Aufstieges erreichte er dann endlich den Gipfel des Schneeberges. Dort lagen schon einige Krieger erschöpft am Boden, um wieder Kraft für die restliche Schlacht zu sammeln. Auch der Schwarze Ritter verweilte dort geraume Zeit und nahm noch etwas Nahrung zu sich. Sein 1,5 Liter Wasservorrat, den er erst vor 2 Stunden aufgefüllt hatte, neigte sich dem Ende. Aber laut Karte war es ja nicht mehr weit bis Dienten, zum nächsten Verpflegungspunkt, und nur bergab. Die GPS-Funktion seines Zeitmessers hatte inzwischen das zeitliche gesegnet und er musste sich auf sein Gefühl verlassen. Nach seinem Gefühl hätte er schon lange in Dienten sein müssen und sein letztes Wasser hatte er auch schon aufgebraucht. Was war hier los? Es waren nur 11 Kilometer von Mühlbach nach Dienten und er war immer noch nicht da. So langsam kam Wut in ihm auf, dass die Angaben des Veranstalters überhaupt nicht stimmten. Mit letzter Kraft und völlig ausgetrocknet erreichte er dann doch irgendwann Dienten.

Es geht aufwärts
...und wieder ein Gipfel geschafft

Jetzt schüttete er erst einmal literweise Flüssigkeit in sich hinein und veranstaltete eine wahre Fressorgie. Doch die angebotenen Speisen konnten seinen Energiebedarf einfach nicht decken. Und jeder der schon einmal probiert hat, völlig ausgetrocknet Salzstangen in sich hinein zu stopfen, der weiß, wie verzweifelt der Schwarze Ritter jetzt war.

Wieder füllte er seine leeren Wasservorräte auf und machte sich auf den Weg. Auf den Weg zum letzten, gigantischen Anstieg zum Hochkasern mit über 1000 Höhenmetern. Was dann passierte, wird der Schwarze Ritter wahrscheinlich nie wieder vergessen. Die ersten zwei Drittel des Anstiegs meisterte er noch mit einer gewissen Gelassenheit, obwohl er schon völlig fertig war. Doch dann, das letzte sehr steile Stück und den Gipfel schon vor Augen, bekam er plötzlich nicht mehr genügend Luft.

Der Schwarze Ritter befand sich gerade in er Höhe von 1900 Metern und dann das. So sehr er auch Luft holte, es kam nicht genügend in seinen Lungen an und er bekam eine leichte Panik. Es war, als würde er durch einen Strohhalm atmen und es drehte sich alles in seinem Kopf. War das jetzt die Grenze von der alle sprachen? Sollte er sie überschreiten? Er wusste es nicht, und zum ersten Mal in seinem Leben kam der Gedanke des Aufgebens in ihm auf. Aber selbst wenn er Aufgeben würde, es wird ihn niemand vom Berg holen. Das musste er aus eigener Kraft schaffen. Also besann er sich und verweilte kurz. Dann lief er wieder 5 Minuten und machte 2 Minuten Pause. So lange bis er endlich den Gipfel erreichte. Oben angekommen, musste er die letzten Minuten erst noch einmal verarbeiten. Aber diese grandiose Bergwelt entschädigte für all die Strapazen und er genoss es hier zu sein.

Gipfelfoto mit Frank und Gerald

Laut Karte sollte es jetzt einmal kurz bergab und wieder hinauf zum Statzer Haus gehen. Doch so sehr sich der Schwarze Ritter auch Mühe gab, er konnte das Statzer Haus nicht erblicken. Doch, in ganz weiter Entfernung erblickte er ein Haus auf einem Gipfel. Aber das konnte doch unmöglich das Statzer Haus sein, war es doch viel zu weit weg und man hatte nicht nur einen Anstieg bis dahin. Wie es sich wenig später heraus stellte, es war doch das Statzer Haus und der Schwarze Ritter musste dort hin. Nach einer gefühlten Ewigkeit  erreichte der Schwarze Ritter genau um 16:15 Uhr das Statzer Haus auf einer Höhe von 2117 Metern. Der höchste Punkt der Strecke war erreicht. Zeit für eine letzte Stärkung und sich bei seinen Lieben unten im Tal zu melden.

Und natürlich brannte der Schwarze Ritter zu erfahren, wie es seinem Sohn ergangen war. Dann der Aufschrei !!! Er hatte es geschafft, dieser Teufelskerl mit seinen 16 Jahren hatte nach 3:53 Stunden das Ziel erreicht. Der Schwarze Ritter schrie, mit leicht zitternder Stimme, seine Freude vom Berg. Alle sollten es hören. Es war sein Sohn und auf den war er mächtig stolz. Nach 10 Minuten Rast machte er sich wieder auf den Weg. Und wie schon vorher, das gleiche Spiel. Laut Karte einmal kurz runter und wieder hinauf zur Schwalbenwand. Wobei sich das Wort Schwalbenwand für den Schwarzen Ritter überhaupt nicht gut anhörte. Nachdem er einmal runter und wieder rauf machte, freute sich der Schwarze Ritter schon tierisch diese Wand erklommen zu haben.

Mein Sohn
...und wieder ein Gipfel

Doch was war das. In weiter Ferne erblicke er weitere Krieger, die sich wieder einen Berg hinauf quälten. Aber es nutze nichts, den triumphalen Zieleinlauf schon vor Augen, quälte sich auch der Schwarze Ritter diesen Anstieg hinauf. War das die Schwalbenwand? Weit gefehlt! Dann erblickte er schon den nächsten Anstieg, und das war die besagte Wand. Er sah wieder ein paar Krieger vor sich, die mit dem Mut der Verzweiflung versuchten, dort hinauf zu kommen. Schon jegliches Gefühl von Raum und Zeit verloren, meisterte der Schwarze Ritter den wirklich allerletzten Anstieg. Noch einmal inne halten,  diesen Moment in sich aufsaugen und das unbeschreibliche Gefühl genießen. Das Gefühl des Stolzes, denn so viele Höhenmeter am Stück hatte er noch nie in seinem Leben bewältigt. Jetzt nur noch 7 Kilometer bergab und das Ziel in Maria Alm war zum Greifen nahe. Für diese 7 Kilometer nahm er sich alle Zeit dieser Welt und ließ in seinen Gedanken, das bis dahin erlebte noch einmal Revue passieren. Er war tief beeindruckt von dieser schweren und sogleich einmaligen Strecke. Von diesen coolen Typen, die wie er das gleiche Ziel verfolgten. Denen Worte wie Neid und Missgunst ein Fremdwort sind. Die in der Lage sind, mit ihren Willen die eigenen Grenzen zu verschieben. Aber es kam auch Enttäuschung ihn ihm auf. Enttäuschung auf den Veranstalter! Dieser hatte von den Kriegern Professionalität gefordert und sich selbst verhalten wie ein Anfänger.

Das Statzer Haus
Der Blick zurück, zum Statzer Haus

Bei all diesen Gedanken bemerkte der Schwarze Ritter gar nicht, dass er das technische Gelände schon verlassen hatte und sich auf dem Forstweg befand. Jetzt konnte es nicht mehr weit sein.

Ein paar Wanderer kamen ihm entgegen und der Schwarze Ritter erkundigte sich, wie weit es noch bis zum Ende der Schlacht sei.

30 Minuten lautete die Antwort und plötzlich fingen seine Augen an zu Schwitzen. 30 Minuten noch, bis er seine Lieben wieder in die Arme schließen, und die Trophäe des Triumpfes empor strecken konnte.

Als er den Ortsrand von Maria Alm erreichte, wusste der Schwarze Ritter, jetzt musste er nur noch 10 Minuten durchhalten. Dann erreichte er die Dorfstraße von Maria Alm und jetzt genoss er jeden Bruchteil einer Sekunde

noch ein Blick auf die Schwalbenwand

Die Cafés und Restaurants in dieser Straße waren gut besucht und plötzlich erhoben sich diese fremden Menschen und begannen zu applaudieren. Sie peitschten den Schwarzen Ritter dem Ziel entgegen.

Jetzt bog er nur noch einmal rechts ab und da konnte er schon seine Lieben erblicken. Doch bevor er die letzten Meter marschierte, umarmte er seine Familie herzlich. Dann lief er gemeinsam mit seiner Tochter die letzten Meter bis zum Ende der Schlacht. Er riss seine Lanzen empor und schrie seine Freude heraus. Er war so voller Stolz, nach endlosen

18 Stunden und 40 Minuten das Ziel erreicht zu haben. Jetzt wollte er die Trophäe des Triumphes entgegen nehmen. Doch was war das? Nichts.

Keine Finishermedaille oder ähnliches. Jetzt wurde sogar aus seiner Enttäuschung Wut. Wut über so viel Arroganz des Veranstalters.

Schließlich waren bei diesen Bedingungen alle Helden und hatten es einfach nicht verdient, so behandelt zu werden.

Leider sind von den 130 Kriegern und Kriegerinnen, die in der Nacht gestartet sind, nur 60 ins Ziel gekommen und der Schwarze Krieger war einer davon. Wie viele Kilometer und Höhenmeter er bei dieser Schlacht zurücklegte, weiß er bis heute nicht. Einige „Überlebende“ berichteten von 96 Kilometern und 6300 Höhenmetern. Für die meisten war es die härteste Schlacht ihres Lebens. So auch für den Schwarzen Krieger.

Er war bis an seine Grenzen gegangen und vielleicht auch einen Schritt weiter.  

Mein Sohn im Ziel
Der Schwarze Ritter auf den letzten Metern

 

Ergebnisse: www.hochkoenigman.at

                                                                                                   Taucha, den 11.06.2015

 

 

 

 

 

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