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Meine Bildergalerie aktualisiere ich stetig mit neuen Bildern aus meinem Läuferleben.

 

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Spartathlon

Im Auge des Zyklons

Es ist der 29.September 2018 und es ist ein Samstag. An soviel kann ich mich noch erinnern. Doch wie spät es gerade ist und wie viel Kilometer ich schon in den Beinen habe, das weiß ich zu diesen Zeitpunkt nicht mehr. Meine GPS-Uhr hat schon seit Stunden den Geist aufgegeben, als ich jetzt gerade auf dieser Landstraße irgendwo auf den Peloponnes stehe. Unter mir liegt dieses herrlich, grüne Tal und ich genieße diesen Anblick, denn ich weiß, dort unten muss irgendwo Sparta liegen. Es mögen vielleicht 15 oder doch nur noch 10 Kilometer sein. Bei dem Gedanken daran, in den nächsten Minuten oder Stunden diesen Ort zu erreichen, werden meine Augen wieder feucht. Die Tränen laufen mir langsam über die Wangen und ich warte bis sie meine Lippen erreichen, um ihren salzigen Geschmack zu spüren. Doch leider kommen sie nicht soweit, da dieser gnadenlose Regen sie immer wieder aus meinem Gesicht spült. So beschließe ich, mich weiter Richtung Sparta durchzuschlagen und beginne wieder langsam einen Schritt vor den anderen zu setzen. Ich beiße die Zähne zusammen, denn jeder Schritt bereitet mir höllische Schmerzen. Der stundenlange Regen muss die Haut unter meinen Fußsohlen gelöst haben, aber beim heiligen Zeus, ich werde weiter marschieren und Sparta wird heute noch fallen. Und ich möchte euch jetzt mit auf diese unglaubliche Reise nehmen und diese fängt viel, viel früher an.

 

Um genau zu sein im Jahre 490 v.Chr. als der Bote Pheidippides sich auf den Weg von Athen nach Sparta machte, um Hilfe bei den Spartanern, in der bevorstehenden Schlacht

bei Marathon zu erbitten. Er begab sich morgens auf die 246 Kilometer lange Strecke und kam am Abend des nächsten Tages an. Einige Jahre später, um genau zu sein, im Oktober 1982 wollte John Foden, Kommandeur der britischen Royal Air Force, diese historische Laufleistung rekonstruieren. Er schaffte diese Strecke, mit zwei anderen Kameraden, um die 36 Stunden zu laufen. Das war die Geburtsstunde des Spartathlon, der seitdem immer am letzten Freitag im September gestartet wird.

Und noch einige Jahre später, um genau zu sein am 28. September 2018, wollte ich es diesen beiden Pionieren gleich tun. Ich wollte mir den Traum von einem Spartathlon Finish

erfüllen. Der Spartathlon gilt ja inzwischen als inoffizielle Weltmeisterschaft und so durfte ich voller Stolz, für mein Land, nach Athen reisen. Offizielle Anreise für die meisten Athleten war am Mittwoch und so füllten sich die umliegenden Hotels mehr und mehr mit internationalen Gästen. Team Germany war gemeinsam mit den Schweden, den Polen, Taiwan und einigen anderen Nationen im Hotel Oasis untergebracht. Die Meisten von ihnen waren Wiederholungstäter und ich als Rookie lauschte immer gespannt, wenn die alten Hasen berichteten, was der Spartathlon alles so bereit hält. Die ganze Veranstaltung hatte schon jetzt für mich ein gewisses Flair und ich genoss einen Hauch von Olympia. Donnerstag Abend stand das Briefing an. Es wurde in den Sprachen Griechisch, Japanisch, Französisch und Englisch abgehalten. Für mich also die beste Gelegenheit meine Japanisch Kenntnisse etwas auf Vordermann zu bringen ; )

Viel wichtiger war aber die Bestückung der Drop Bags, die dann an die entsprechenden Checkpoints gebracht wurden. Meine waren in der Heimat schon fertig gepackt,

doch die Wettervorhersage zwang die meisten Teilnehmer noch einmal zum Umdisponieren. Wechselhaftes Wetter, mit Regen im Tagesverlauf, war vorausgesagt.

Deshalb habe auch ich die Abgabe meiner 11 Drop Bags bis zum Schluß hinausgezögert, um noch ein paar Veränderungen vorzunehmen. Denn eine Sonnenbrille sollte garantiert nicht benötigt werden. Ja, und dann folgte noch die finale Nacht. Aber lassen wir das, denn von Nacht kann bei mir keine Rede gewesen sein. Ich stand schon tagelang unter Strom, so dass auch diese Nacht nur ein schier endloses Warten war.

Kurz vor dem Start

Team Germany

Dann war er da. Der Tag, an dem ich mir ein Platz im Olymp erkämpfen wollte. Da Zeus schon ahnte, dass es jetzt da oben enger werden könnte, stellte er mir im Laufe des Jahres immer wieder neue Felswände in den Weg. Aber selbst die hartnäckigen Verletzungen und der Trainingsrückstand der letzten Monate konnten mich nicht abhalten, zumindest an der Startlinie, dieses legendären Ultra-Laufs zu stehen. Aber ein Ass hatte der alte Zeus noch im Ärmel. Doch dazu später mehr. Nach einer kurzen Busfahrt durch die Innenstadt Athens, stand ich tatsächlich am Fuße der Akropolis. Vorher noch ein Gruppenbild mit Team Germany und Punkt 7:00 war der 36.Spartathlon in vollem Gange.

Und nicht nur der. Auch der Regen, der erst im Laufe des Tages einsetzen sollte, war schon in vollem Gange. Die Temperatur hingegen war mit knapp 20 Grad noch ganz angenehm zum Laufen. So ging es für einige Kilometer erst einmal durch die Innenstadt

Athens, wo sich schon lange Schlangen wartender Autos gebildet hatten. Diese waren natürlich so was von begeistert, dass sie die Läufer mit einem ordentlichen Hupkonzert begrüßten. Schnell hatte ich die Gelegenheit, mit dem einen oder anderen deutschen Läufer, ein bisschen Konversation zu betreiben. Dabei ging mein Blick aber auch immer auf die Uhr. Nur nicht so schnell die ersten Kilometer, hatte ich mir auf die Fahne geschrieben.

Doch meine Uhr war da anderer Meinung, denn mit 5:30 Minuten pro Kilometer war ich dann schneller als ich wollte. Aber so sehr ich mir auch Mühe gab, ich konnte nicht langsamer.

Noch ist das Feld dicht zusammen

Auf den Straßen Athens

Nach 10 Kilometern hatte ich dann aber mein Tempo von 5:45 min/km gefunden. So konnte es von mir aus stundenlang weitergehen. Doch die Abgasbelastung war selbst nach Verlassen der Innenstadt so extrem, dass mir des Atmen sehr schwer fiel da nicht soviel Luft in die Lunge gelangen konnte wie erhofft. Die Füße waren auch schon durchnässt und ich wollte mir gar nicht vorstellen, welche Prüfungen noch vor mir lagen. Die nächsten Kilometer waren sehr trostlos, immer entlang der lauten und stinkenden Autobahn. Vorbei an Raffinerien, deren Geruch mich in Erinnerungen schwelgen liesen. Auch so viele Jahre nach der Wende war mir dieser Geruch noch immer vertraut. Nach 32 Kilometern hatte ich meinen ersten Drop Bag deponiert. Ein Energie-Drink und ein Riegel, dass sollte fürs Erste reichen und keine Zeit an den Verpflegungspunkten verlieren, dass hatte ich mir fest vorgenommen. Nach 4 Stunden Laufzeit hatte der Regen doch tatsächlich aufgehört, aber er hatte schon Spuren hinterlassen. Eine Blase hatte sich gebildet und ein Weiterlaufen war nur noch mit Schmerzen verbunden. So stoppte ich kurz, zog den einen Schuh aus und behandelte die schmerzende Stelle. Dabei erblickte ich gleich noch mehrere „Baustellen“ und wieder dachte ich an den alten Zeus. So schnell konnte er mich aber nicht in die Knie zwingen. Ich zog die Schuhe wieder an und weiter ging es.

Nach 5 Stunden hatte ich schon 51 Kilometer hinter mir und als nächstes großes Zwischenziel hatte ich mir Korinth gesetzt. Korinth liegt bei Kilometer 81 und ab hier beginnt der Spartathlon erst richtig. So besagt es zumindest die Legende. Ehe ich mich versah, überquerte ich auch schon den Kanal von Korinth, ganz unspektakulär und doch einmalig.

Immer die Hand am Abzug

Am Meer entlang

Ein paar 100 Meter später befand sich der große Checkpoint, wo viele Atlehten sich behandeln ließen und ihre Drop Bags deponiert hatten. Hier warteten auch einige Supporter aus Deutschland auf ihre Schützlinge, um sie zu unterstützen. Mir bescheinigten sie, dass ich noch sehr gut aussehe und und ein Polster von 90 Minuten zur Cutt Off Zeit besitze. So war auch der Plan. Was aber nicht geplant war, dass meine Oberschenkel schon zu diesem frühen Zeitpunkt festgefahren waren. Ein Drittel des Laufes war zwar bereits geschafft, aber es lagen noch immer 165 Kilometer vor mir. So weit wollte ich jedoch nicht denken. Für mich wartete am nächsten Checkpoint mein Dop Bag und das war mein Ziel. Die Strecke wurde jetzt auch schöner. Auf schmalen asphaltierten Wegen ging es durch Oliven- und Weinplantagen. Ich genoss diesen Augenblick, denn kurze Zeit später meldete sich mein Magen. Nicht weiter dramatisch, dachte ich mir und wartete auf eine günstige Gelegenheit, mich in die Büsche zu schlagen. Am besagten Checkpoint angekommen, nahm ich noch einmal etwas Malzbier zu mir und quälte mir den letzten Riegel hinein. Denn ab diesem Zeitpunkt befand ich mich auf Kriegsfuß, was das Essen aus meinen Drop Bags betraf. Ich konnte dieses Zeug einfach nicht mehr ertragen, es wiederte mich regelrecht an und auch das angebotene Essen an den Checkpoints war ab diesem Zeitpunkt schwer verdauliche Kost für mich. Immer wieder das gleiche Prozedere an den Checkpoints, Nahrung oben rein und ein paar Kilometer später Nahrung schnell verdaut und unten wieder raus.

Noch nie hatte ich bei solch einem langen Lauf diese Probleme, also konnte nur Zeus seine Finger im Spiel haben. Obwohl meine körperliche Verfassung nicht mehr die Beste war und er mir ständig neue Felsen in den Weg legte, wurde meine mentale Stärke immer größer. Ich hatte den unbedingenten Willen, es schaffen zu wollen, jedenfalls war das nach 100 Kilometern so. Die erreichte ich nach 10 Stunden und selbst freilaufende Hunde konnten mich auf den nächsten Kilometern nicht abhalten, meinen Weg weiter zu gehen. In einem kleinen Ort, dessen Name mir wieder entfallen ist, warteten einige Kinder auf die Athleten, um Autogramme zu ergattern. Autogramme von mir! Da war ich natürlich Dicke da und schrieb was das Zeug hält. Am liebsten hätte ich mich in eine dieser Tavernen gesetzt und zur Autogrammstunde gebeten. Aber Setzen wollte ich mich dann doch lieber nicht, zu groß wäre die Versuchung gewesen, dort länger zu verweilen.

Am Checkpoint Korinth

Über den Kanal von Korinth

Kurz vor Halbzeit des Rennens, bei Kilometer 117, hatte ich mir meinen „Haupt Drop Bag“

deponiert. Hier ließ ich mir auch etwas mehr Zeit, denn es hieß: Fertig machen für die Nacht. Ich freute mich schon seit Stunden auf diesen Checkpoint, weil hier auch trockene Schuhe auf auf mich warteten. Und nicht nur das, ich wechselte die komplette Kleidung und als ich gerade dabei war, mir trockene Strümpfe und Schuhe anzuziehen, setzte der Regen wieder ein. Ich schrie vor Wut, denn jetzt hatte mich Zeus ganz empfindlich getroffen. Ich taumelte, war kurz vor dem Knock Out, doch ich fiel nicht um.

Stattdessen erhob ich mich wieder und sagte mir: Jetzt erst recht, ohne zu Wissen, was da noch auf mich zukommen könnte. Und schon kurze Zeit später wurde es Nacht und das für die nächsten 12 Stunden. Davor hatte ich den meisten Respekt. Diese lange Nacht zu dieser Jahreszeit in Griechenland, dazu noch stundenlang allein unterwegs und zu allem Überfluss, kam jetzt auch noch Dauerregen hinzu. Da muss man schon ein Mentalmonster sein, um da wieder raus zu kommen. Außerdem hatte ich meine Regenjacke am Sangaspass bei Kilometer 160 deponiert. Da ich aber schon bis auf die Haut durchnässt war und zu frieren begann, nahm ich mir am nächsten Checkpoint einen Müllsack und bastelte mir daraus einen Regenschutz. Und Just in diesen Moment ließ der Regen auch etwas nach und für mich ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Telefongespräch mit meiner Familie in der Heimat. Ich musste schon sehr um Fassung ringen, damit meine Stimme nicht zu zittern begann. Aber ich hatte einmal Abwechslung und das tat mir gut, denn danach war ich wieder allein. Allein auf der Strecke und allein mit meinen Gedanken. Ich versuchte an etwas zu denken, doch schon kurze Zeit später hatte ich diesen Gedanken wieder vergessen. Ich versuchte mir Sparta vorzustellen, doch Sparta rückte immer weiter in die Ferne. Als ich den Einstieg zum Sangaspass nach 18 Stunden und 15 Minuten erreichte, zog ich als erstes meine Regenjacke an. Dann ein kurzer Blick auf das Essen im Drop Bag und in mir kam der Würgereflex hoch. Doch irgendetwas musste ich zu mir nehmen, denn an Fett hatte ich nun wirklich nicht viel zu verbrennen. Ich probierte es mit warmer Suppe, zumindest die konnte ich etwas länger drin behalten. Wie schon gesagt, ich befand mich gerade am Einstieg zum Sangaspass, als ich Miachael und Fabian vom Team Germany traf und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Gipfel.

Bergauf ist eigentlich genau mein Ding. Doch mit Straßenschuhen und einer Sichweite von 5 Metern, gestaltete sich die Sache weitaus schwieriger als gedacht. Oben angekommen trennten sich auch schon wieder unsere Wege. Ich kam mit dem sehr steilen Abstieg besser zurecht und musste allein weiterziehen. Doch dieser Abstieg gab meinen Oberschenkeln den Rest. Um diese etwas zu schonen, beschloss ich, jetzt immer im Wechsel 5 Minuten zu gehen und 10 Minuten zu laufen. So verging auch die Zeit etwas schneller und ich konnte einen Schnitt von 8 km/h halten.

Regen, Regen und nochmal Regen

Gipfelfoto mit Micha und Fabian

Als nächstes großes Zwischenziel hatte ich mir die 200 Kilometermarke gesetzt. Noch niemals zuvor, war ich weiter gelaufen und noch niemals zuvor wusste ich, wie sich diese 200 Kilometer anfühlen würden. Ich schaute noch einmal auf die Uhr und wusste, dass ich diese 200 Kilometermarke in 24 Stunden knacken werde. Danach hätte ich für die restlichen 46 Kilometer 12 Stunden Zeit. Das sollte theoretisch zu schaffen sein und die Hoffnung auf ein Finish wurde wieder größer. Als ich den größeren Checkpoint 60 nach 195 Kilometern in den frühen Morgenstunden erreichte, ergab sich für mich die Gelegenheit einer kurzen Massage. Ich wog kurz ab, zwischen 200 Kilometern in 24 Stunden und der 10 Minuten Zeiteinbuße bei der Massage. Ich entschied mich dann für die Massage und es war die richtige Entscheidung. Schon bei der ersten Berührung meiner Oberschenkel durchstieß mich ein unglaublicher Schmerz. Die Mädels vom Massageteam murmelten etwas und was sie da murmelten, hörte sich nicht wirklich gut an. Doch nach den 10 Minuten fühlten sich meine Oberschenkel irgendwie besser an und ich begann wieder zu laufen. Erst wollte ich es mit 15 Minuten probieren, dann wurden daraus 30 Minuten und schließlich hatte ich 60 Minuten geschafft. Ich war zurück, wenn auch nur für den Augenblick. Der Morgen hatte inzwischen die Nacht besiegt und ich war noch dabei. Jetzt konnte mich eigentlich nichts mehr aufhalten und das wusste auch Zeus.

Denn er holte zum finalen Vernichtungsschlag aus und schickte Zyklon Zorbas auf das griechische Festland. Ich hatte schon viel Regen in meiner Läuferkarriere erlebt, doch was jetzt abging, dafür fehlen mir die Worte. Wassermassen von allen Seiten, dazu noch ein eisiger Wind und eine Strecke, die permanent bergauf führt. Ich war durchnässt bis auf die Knochen und der eisige Wind blies das letzte bisschen Wärme aus meinen Körper.

Da half selbst die Rettungsdecke nicht wirklich, in die ich mich jetzt eingehüllt hatte. Ich musste einfach schneller laufen, um wieder wärmer zu werden. Doch an ein schnelleres Laufen war nicht zu denken, denn durch diese eisige Kälte stellten meine Oberschenkel ihren Dienst ein. Ein Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr raus kam und Zeus Plan schien voll aufzugehen. Ich wollte nicht mehr, am liebsten hätte ich mich irgendwo zum Sterben hingelegt und ich hätte voller Stolz sagen können: „Ich habe gelebt und ich habe erlebt“.

Doch selbst das ließ Zeus nicht zu. Er zwang mich sogar noch einmal den anderen Schuh auszuziehen, weil jetzt dieser Fuß höllisch schmerzte. Aber hier konnte ich nicht viel machen. Der gnadenlose Dauerregen hatte meine Fußsohlen so weich werden lassen, dass sich teilweise die Haut ablöste. Ein letzter Blick auf die Uhr verriet mir, dass es noch 21 Kilometer bis zum Ziel waren. Jetzt musste eine Entscheidung her, entweder sich diesem Zyklon geschlagen zu geben oder die restlichen 21 Kilometer irgendwie noch zu Ende zu bringen. Aber ich hatte schon so viel investiert und selbst wenn ich diese 21 Kilometer auf allen Vieren nach Sparta gekrochen wäre, ich hätte es auf jeden Fall in 36 Stunden geschafft. So schleppte ich mich an jene besagte Stelle und genoss den Anblick über dieses herrlich, grüne Tal. Denn jetzt ging es nur noch bergab und obwohl das Wasser knöcheltief auf den Straßen stand, mobilisierte ich die letzten Reserven. Und plötzlich spürte ich keine Schmerzen mehr. Ich lief und lief, fast so schnell wie vor 240 Kilometern.

Am Ziel meiner Träume

Ich glaube, Zeus hatte jetzt ein Einsehen und er machte widerwillig, doch voller Hochachtung, etwas Platz im Olymp. Und voller Hochachtung waren auch die Autofahrer, die mir so kurz vor dem Ziel entgegen kamen. Alle hupten und zollten mir Respekt vor dieser Leistung. Und dann erblickte ich das Schild mit der Aufschrift Sparti, doch dahinter stand der Zusatz 4 Kilometer. Aber auch diese 4 Kilometer konnten mich nicht abhalten, meinen Siegeszug nach Sparta fortzusetzen. Und trotz des strömenden Regens wartete eines dieser Kinder auf mich, welche die Läufer auf dem letzten Kilometer mit den Fahrrad begleiten. Ich war so bewegt, dass ich mir immer wieder die Tränen aus den Augen wischen musste, denn die flossen inzwischen mehr als der Regen. Aber diese endlosen Geraden wollten einfach nicht aufhören und noch immer kein Ziel in Sicht. Ich band mir inzwischen schon mal die Farben meines Landes um den Hals, als ich die letzte Kreuzung querte und dann erblickte ich ihn, König Leonidas. Jetzt war alles zu spät und mein Körper gehörte mir nicht mehr. Ich wusste nicht, ob mein Herz noch schlug oder schon stehengeblieben war, ob das jetzt das Ende oder erst der Anfang war, ob meine Beine sich noch bewegten oder schon zur Ruhe gekommen waren. Es war wie im Rausch als ich die letzten Stufen zur Statue von König Leonidas erklomm und als ich dessen Füße küssen durfte, wurde ich erlöst von diesen Strapazen. Ich hatte Sparta nach 30 Stunden und 6 Minuten erreicht und für den Moment blieb die Zeit wieder für einen Augenblick stehen. Jetzt nahm ich voller Stolz den Olivenkranz entgegen und auch wenn es noch so regnete, ich wusste nach diesem Erlebnis wird die Sonne für mich immer ein kleines Bisschen mehr scheinen.

Anschließend galt es noch gewisse Rituale einzuhalten. Es wurde eine Schale mit Wasser aus dem heiligen Fluss Evrota gereicht und mir wurden regelrecht die Kleider vom Leib gerissen und das Finisher Shirt übergestreift. Aber dann folgte das obligatorische Füße waschen. Vor diesem Anblick hatte ich mich schon seit Stunden gefürchtet. Und mein schlimmster Albtraum hatte sich bestätigt, den Job als Fußmodel kann ich für die nächsten Monate vergessen.

Abschließend folgte noch der Transport ins Hotel. Hier musste ich als Erstes nach meinem Telefon schauen, ob es diese Sintflut überlebt hatte. Auch es hatte zum Glück überlebt und als Erstes sah ich die Mitteilung: „Sie haben ihr Tagesziel von 10000 Schritten erreicht.“

Abschlussparty

Hier noch mein kurzes Fazit. Der Spartathlon ist einfach der Ultralauf aller Ultraläufe.

Einmal im Leben sollte sich jeder Ultraläufer dieser Herausforderung stellen.

Bei der diesjährigen Ausgabe kamen noch die widrigsten Bedingungen seit Bestehen dieser Veranstaltung hinzu. Um so mehr erfüllt es mich mit Stolz, diesen Lauf so gemeistert zu haben. Aus diesem Grund möchte ich mich bei allen bedanken, die mir die Daumen gedrückt haben und das Rennen live verfolgen konnten.

Einen ganz besonderen Dank natürlich an meine Familie, denen ich manchmal schlaflose Nächte bereite. Einen weiteren Dank an meine Eltern (für die Gene), meinen Schwiegereltern und meiner Schwester. Meinen Laufpartner Markus, samt Familie, möchte ich hier auch erwähnen. Das nächste Ding rocken wir wieder gemeinsam.

Und der Ehrenpreis geht natürlich an KANSAS Premium Workwear, die mit dem besonderen Stoff. Vielen Dank, dass ich euch schon das 3.Jahr an meiner Seite haben darf und Dank euch, immer so geil aussehe ; )

 

                                                                               

                                                                                    Taucha, den 09.10.2018

 

Die meisten dieser Fotos sind vom Spartathlon Fotoclub. Vielen Dank dafür.

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