So Freunde, der erste große Ritt in diesem Jahr ist vollbracht und wie. Was war das wieder für ein großartiges Event, aber wie immer schön der Reihe nach.
Die Wetterprognose sollte an diesem ersten Maiwochenende mal wieder traumhaft werden. So war es dann auch, als wir am späten Donnerstagmittag in Innsbruck eintrafen. Strahlender Sonnenschein und ein fantastisches Bergpanorama mit schneebedeckten Gipfeln ließen mich schon das erste Mal eskalieren. Spät abends trudelte noch mein Herr Sohnemann in der Ferienwohnung ein und so konnte unserem ersten gemeinsamen Hunderter nichts mehr im Wege stehen. Einen kleinen Wehrmutstropfen gab es dann aber doch noch. Auf Grund der aktuellen Schneelage konnte nicht über den 2000 Meter hohen Patscherkofel gelaufen werden. Daher waren es statt der 112 Kilometer „nur“ 106 und von den 5500 Höhenmetern waren es auch 300 weniger. Sagen wir mal so, es gibt schlimmeres. Freitagnachmittag holten wir unsere Startnummern ab und dann hieß es wieder warten und warten und warten, denn der Start war auf 24:00 Uhr angesetzt. So schön wie das manchmal sein kann mit diesen Abendstarts, mein Ding ist es nicht. Ich starte lieber morgens, da hat man was vom Tag.
Da standen wir nun, Vater und Sohn und weitere 300 Verrückte mitten in der Nacht auf dem Landestheater Platz zu Innsbruck und bereit für das große Abenteuer.
Während ich mal wieder in der Vorbereitung ordentlich Kilometer gesammelt habe, hat mein Sohn sich wieder auf das Nötigste beschränkt. Nur deshalb durfte ich auch in der ersten Gruppe starten und mein Sohn musste noch 10 Minuten warten und wurde mit der zweiten Gruppe ins Rennen geschickt. Bei der obligatorischen Ausrüstungskontrolle hatte ich dann doch noch eine kleine „Schrecksekunde“.
Nachdem ich alles brav vorgezeigt hatte, was verlangt wurde, sollte ich noch meine Stirnlampe einschalten, die ich schon auf dem Kopf hatte. Auch hier folgte ich brav den Anweisungen, doch die Lampe ging nicht an. Als nach dem 4. Versuch noch immer nichts passierte, bekam ich langsam Puls und wurde einfach durchgewunken, da hinter mir die Schlange immer größer wurde. Nach ein paar weiteren gescheiterten Versuchen ging mir dann endlich ein Licht auf und es wurde hell am Oberstübchen. Der Countdown verzögerte sich noch etwas und dann ging es endlich los. Unter Feuerfontänen und wummernden Bässen wurden wir durch ein Spalier von Menschenansammlungen in die Nacht geschickt. Erst noch durch ein paar Gassen im Zentrum, dann am Inn entlang und schon ging es die ersten Höhenmeter zum Bergzoo hinauf. Nach 10 Kilometern waren auch schon 800 HM geschafft und meine Uhr zeigte eine Laufzeit von 1:15 Stunden an. Bis dato war die Welt für mich in Ordnung und dann begann wieder dieses verdammte Spiel. Es ging auf schmalen Trail wieder abwärts und ich wurde, wie immer, gnadenlos durchgereicht. Diese Downhills habe ich einfach nicht drauf und es nervt mich jedes Mal, wie ich da durchgereicht werde. Aber ich war zumindest noch im Rennen, was man von einem anderen Mitstreiter nicht mehr sagen konnte. Der hatte beim ersten Downhill zu viel riskiert und wartete jetzt auf die Bergwacht, um vom Berg gebracht zu werden.
Nach 14 Kilometern wartete die erste Verpflegungsstation, danach ging es erstmal am Inn entlang und es wurde richtig frisch. Ganz so frisch fand ich die Nacht anfangs doch nicht und ich zog schon in Erwägung, mich meiner Jacke zu entledigen.
Das habe ich aber dann ganz schnell wieder verworfen, denn nach dem nächsten Anstieg erreichte ich nach 31 Kilometern die Mutterer Alm auf 1608 Metern Höhe.
Hier lag schon etwas mehr Schnee und es war einleuchtend, dass der Patscherkofel gestrichen wurde. Mit den Downhills tat ich mich noch immer schwer und ich hatte das Gefühl, dass die ganze Sache hier richtig zäh werden würde. Das änderte sich aber schlagartig nach 40 Kilometern. Da erreichte ich Telfes und ab dort ging es parallel zum Hang weiter. Schmale Single Trails, aber für mich gut laufbar. So nordete ich mich kurz ein und dann wurde auf Tempomat umgestellt. Die nächsten Kilometer zum Bergisel liefen wie am Schnürchen. Die Sonne lachte schon und ich hatte auch meinen Frieden mit der Strecke gemacht, denn jetzt konnte ich richtig laufen. So erreichte ich um 7:35 Uhr, nach 55 Kilometern und 2750 Höhenmetern, den Verpflegungspunkt am Bergisel. Hier hatte ich ein Drop Bag deponiert und nutzte auch die Gelegenheit, um auf Sommer umzustellen.
Das hieß so viel wie ganz kurze Hose, neues Shirt und schnelle Schuhe und dann konnte die Post richtig abgehen. Doch bevor ich wieder Tempo aufnahm, ließ ich es mir am Bergisel nicht nehmen und gönnte mir zwei Portionen Kaiserschmarrn. Irgendwie schien es magentechnisch mein Tag zu sein. Ich konnte in mich reinstopfen, was ich wollte, der Magen war fantastisch. Nach dem nächsten VP in Heiligwasser, nach 63 Kilometern, wagte ich mal einen kurzen Blick auf mein mobiles Endgerät, um zu schauen, wie sich der Herr Sohnemann so schlägt. Da musste ich tatsächlich zweimal hinschauen, mein Sohn lag tatsächlich nur 40 Minuten hinter mir. Was für eine Maschine !!! Etwas später wagte ich nochmal einen Blick auf mein Telefon, um zu schauen, wie ich so im Rennen lag. Die gute Nachricht, es war irgendwas um Platz 60 und Platz 4 in der AK. Die schlechte Nachricht, diese Aktion hatte mir ein paar extra Meter eingebracht, denn ich hatte einen Abzweig verpasst.
Erst als sich meine Uhr mit falscher Strecke meldete, bekam ich es mit und drehte um. Nach 68 Kilometern hatte ich den letzten großen Anstieg, mit 1000 HM zur Sistranse Alm geschafft und das nächste große Zwischenziel hieß Herzsee bei KM 80.
Diesen hatten wir am Vortag schon mal erkundet und ich wusste, was mich hier erwartete. Was ich nicht auf dem Schirm hatte, hier kam eine weitere Strecke hinzu und es wurde richtig voll. Nach 11:30 Stunden konnte ich auch den Herzsee hinter mir lassen und spätestens jetzt war Sommer angesagt. Inzwischen war es ordentlich warm geworden und auf vielen Asphaltabschnitten in Hall ließ ich richtig Körner.
Zu allem Überfluss stieg nach 92 Kilometern auch noch meine Uhr aus, Akku alle.
Dann musste ich aber feststellen, dass diese 24:00 Uhr Startzeit doch nicht so verkehrt ist, denn die aktuelle Uhrzeit ist ja auch gleich die Laufzeit. So musste ich dann doch hin und wieder einen Blick aufs Telefon riskieren, um zu schauen, wie die aktuelle Lage ist. Und die war nicht ganz so schlecht, obwohl noch der Endgegner wartete. Und der Endgegner hieß nach 94 Kilometer nochmal 400 Höhenmeter rauf.
Diese taten richtig weh, aber dann war das Schwerste auch geschafft und so langsam hieß es für mich, hübsch machen für den Zieleinlauf. Es ging wieder am Bergzoo vorbei, am Inn entlang und dann kam diese verdammt geile Gerade.
Auf einem halben Kilometer standen die Zuschauer Spalier und immer, wenn ein Läufer mit einer schwarzen Startnummer (für die 110 KM Strecke) entdeckt wurde, war Eskalation angesagt. Das war einer der besten Zieleinläufe ever und nach 15 Stunden, 11Minuten und
23 Sekunden wurde ich im Ziel, vom Sprecher, als Legende begrüßt und das in Innsbruck. Das sorgte noch einmal für die zusätzliche Jensehaut. Am Ende war es der 45. Platz und der 4. in der AK. Und dann hieß es für mich warten, was die Maschine so macht und diese lief richtig heiß. Nach unglaublichen 17 Stunden, 23 Minuten und 32 Sekunden schlug ein Komet auf den Landestheaterplatz zu Innsbruck ein und das bei seinem erst zweiten Hunderter. Die Nachfolge im Hause Sperlich scheint geregelt zu sein ?
Taucha, den 15.05.2026
So Freunde, jetzt bin auch ich richtig in der Laufsaison 2026 angekommen und das gleich mit einem richtigen Knall. Aber wie immer, schön der Reihe nach. Das erste größere Highlight steht ja in 2 Wochen an, mit der 110 Kilometer langen Strecke beim Trailrunning Festival in Innsbruck. Aus diesem Grund hatte ich am Karfreitag schon mal einen kleinen Härtetest eingeplant. Da bin ich eine Hälfte der legendären Rad Acht gelaufen, in Summe 83 Kilometer. Bis Kilometer 60 lief es noch recht entspannt, doch dann wurde es richtig zäh, aber ich habe durchgezogen. Kurzes Fazit, es war schon ganz o.k., dennoch mit Luft nach oben. So hatte ich als weiteren Härtetest den Kyffhäuser Bergmarathon eingeplant, die Generalprobe sozusagen oder die erste Standortbestimmung. Demzufolge habe ich mich an diesem 18. April schon relativ früh in Bad Frankenhausen eingefunden, um die ganze Sache auch entspannt anzugehen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite, anfangs mit 10 Grad noch etwas frisch. Das änderte sich im Laufe des Rennens aber kontinuierlich und gipfelte bei strahlendem Sonnenschein und 20 Grad. Noch kurz die Eckdaten dieser Generalprobe, vor mir lagen
42,5 Kilometer und rund 800 Höhenmeter und mit mir wollten sich weitere knapp
180 Wagemutige dieser Herausforderung stellen.
8:30 Uhr hieß es dann endlich Feuer frei. Im Gegensatz zu anderen Laufveranstaltungen wollte hier keiner so recht in der ersten Startreihe stehen und so blieb die Sache unter anderem an mir hängen, obwohl ich das überhaupt nicht mag. So wurde schon mal auf dem ersten Kilometer die „Konkurrenz“ abgecheckt.
Dieser war bei leichter Steigung mit 4:20 Minuten doch recht flott und ich hörte plötzlich mitten in der Ortschaft jemanden meinen Namen rufen. Wie sich später herausstellte, ein Teil der Hühnerschaar aus Hänchen trieb auch hier ihr Unwesen und nahm kurz Notiz von mir. Auf den nächsten 2 Kilometern ging es noch einmal 100 Höhenmeter bergauf und danach folgte eine lange und flache Gerade über mehrere Kilometer. Jetzt war es an der Zeit, den Tempomat einzuschalten und dieser hatte sich bei 4 Minuten für den Kilometer eingepegelt. Das waren erst einmal die guten Nachrichten. Die Schlechten, ich lag zusammen mit Danny aus Aschaffenbug in Führung und nach uns klaffte schon eine größere Lücke. Diese Situation mag ich nun überhaupt nicht. Schon so früh das Feld anzuführen, da kann man hintenraus eigentlich nur verlieren. So nahm ich notgedrungen die Situation an und spulte Seite an Seite mit Danny fast identische Kilometerzeiten ab. Nach 10 Kilometern musste ich etwas abreißen lassen, aber Danny kam auch nicht weiter weg und so blieb er konstant 10 bis 20 Sekunden vor mir. Nach 16 Kilometern begann so langsam der Anstieg zum Kyffhäuserdenkmal und der war wie gemacht für mich. Nicht zu steil und alles gut laufbar. So schloss ich doch tatsächlich zu Danny wieder auf und ging sogar vorbei. Doch die Freude währte nur kurz. Oben am Denkmal, nach 21 Kilometern, war er wieder vorbei und ich musst wieder abreißen lassen. Hier war eine Wendestelle eingerichtet und so konnte man ganz gut sehen, wie weit der Rest hinter einem lag. Und der war leider nicht weit weg. Da ich schon auf der letzten Rille lief, konzentrierte ich mich lieber darauf, nicht langsamer zu werden, um die Verfolger auf Abstand zu halten, anstatt einen Angriff nach vorn zu wagen. Die nächsten Kilometer taten dann ordentlich weh, da immer wieder kleine Anstiege eingebaut waren.
So konnte ich die herrliche Aussicht von hier oben nur bedingt genießen.
Nach 33 Kilometern war dann auch der letzte Anstieg geschafft und es ging nur noch bergab. Der Nachteil an der ganzen Sache, so 8 Kilometer vor dem Ziel kamen die Läufer vom Halbmarathon mit auf die Strecke und es wurde richtig voll. So erübrigte sich für mich ein Blick über die Schulter nach eventuellen Verfolgern. Folglich konnte ich auch die letzten Kilometer nicht entspannt angehen, um nicht doch noch kurz vor dem Ziel den 2. Platz einzubüßen. Also haute ich noch einmal Kilometerzeiten von 4 Minuten raus und dann durfte ich mich endlich, nach 3:05:16 Stunden, über einen fantastischen 2. Platz beim Kyffhäuser Bergmarathon freuen.
Und die Freude wurde bei der Siegerehrung noch getoppt. Neben einem Pokal gab es noch 5 Liter edlen Gerstensaftes. Männerherz was willst du mehr.
Taucha, den 19.04.2026